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Freitag, 12. Juni 2015

Der Junge kann sims

Gestern um 22 Uhr 47 bekam ich eine SMS vom Jungen.

- Hallo Barbara
       - Schlafst noch gar nicht?
-Nein, du?
       - Ich lieg schon im Bett und lese noch Morgen muss ich um 6 Uhr aufstehen und in die 
         Arbeit fahren.
- Gute Nacht.
       - Du auch.

Ich habe mich gefreut, dass er sich per sms bei mir meldet. Schlauer Bursche. 
Wahrscheinlich sitzen seine Alten im Bräustüberl oder einem anderen Wirtshaus und er verbringt seine Zeit gerade im Auto sitzend. Ganz geil.

Ich habe mit einer Bekannten vom Jugendamt gesprochen, ob es möglich ist, dass das Jugendamt oder das Heim beim Jungen und den Eltern eingreift. Das unterbindet, dass der Junge, wenn er zu Hause ist, seine Nächte in den Wirtshäusern verbringt. 
Nein, ist nicht möglich, weil er mit Aufsichtspersonen auch am Abend nach 22 Uhr unterwegs sein darf. Und wenn ich wirklich eine Änderung der Situation möchte, muss ich persönlich in Vorlage treten, mir die Sache des Jungen zu eigen machen und ihn vertreten. 
Das geht nicht, dass ist klar, den weiß ich, was der Junge möchte? Sicherlich nicht ganz weg von den Eltern, dafür ist er noch zu klein. 

Und ich denke mir, dass ich so gravierend nicht in den Lebensweg, in das Karma, eines anderen Menschen eingreifen darf. 
Das ist nicht der Weg. 





Kommentare:

  1. Liebe Barbara, ich habe kaum Worte. Kenne das selbst - da will man einem Kind helfen und das Amt lässt einen im Stich. Oft denke ich mir, die interessieren sich nicht für die Kinder sondern nur für ihr Budget.

    Ich glaube nicht, dass Du ins Karma eingreifst, wenn Du hilfst. Die Frage wäre für mich vielmehr, ob es überhaupt in Deiner Macht steht zu helfen? Ist es Deine Aufgabe? Oder übernimmst Du Verantwortung, wo Du keine hast? Mir musst Du das sicher nicht beantworten, aber vielleicht hilft es Dir für Dich weiter, diese Fragen Dir selbst zu beantworten.

    Auf alle Fälle hast Du getan, was Du tun konntest. Und nun musst Du auf Dich schauen und darauf achten, dass Du Dich nicht nicht in diese Geschichte zu sehr verstricken lässt. Ich weiss, wenn man ein gutes, mitfühlendes Herz hat, dann tuts einem weh, wenn man so einem Kind nicht helfen kann, aber vielleicht reicht es auch schon, dass Du diesem Kind freundlich gesinnt bist. Ich denke oft, auch das nimmt so eine kleine Seele mit auf den Weg und vielleicht erinnert er sich in schweren Zeiten an die liebevolle Akzeptanz, die Du dem Burschen entgegen gebracht hast. Möglicherweise ist das mehr und wichtiger, als Du heute sehen kannst?

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft (hab das vom Ritual gelesen, gute Idee!) und dass es Dir bald wieder gut gehen möge.

    Liebe Grüsse
    Clara

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    1. Hallo Clara,
      das ist es ja auch, dass ich weiß und auch spüre, dass ich nicht mehr für den Jungen tun kann. Und nein, es liegt nicht in meiner Verantwortung in die Familiendynamik einzugreifen. Da habe ich zuzusehen, und manchmal tut's mir sehr weh, wie mit dem jungen Kerl umgegangen wird.
      Es tröstet mich, dass du schreibst, das es oft reicht wenn das Kind merkt, dass man ihm freundlich gesinnt ist, ihn so akzeptiert wie er ist und ihn auch gut findet. Es ist mir auch immer wichtig, wenn ich ihn treffe ihm bei passenden Gelegenheiten zu sagen, wie gut er ist, ihn lobe und toll finde.
      Ach seufz. Mehr kann und will ich auch nicht tun. Und vielleicht iast es wirklich so, dass das reicht. Ich habe ein ähnliches Schicksal gehabt wie der Junge und mir sind Menschen bis heute in erinnerung, die mich mit gütigen Augen angesehen haben und mir wohlwollend gesinnt waren. So wird es auch sein.

      Viele liebe Grüße
      Barbara

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  2. was das kind braucht, sind vorbilder, wie es auch anders gehen kann.
    er weiß es nicht, kann es nicht wissen. und offen gesagt, von interneten für kleine kinder oder gar heim genannt, halte ich nicht viel.......zuviel ist an die öffentlichkeit gekommen, was einem das haar sträuben läßt.
    ich bin am umziehen und dann deshalb keine romane schreiben......aber vielleicht kann ich mich bald mal melden per mail.
    gruß
    m.

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    1. Hallo Manuela,
      Vorbilder, das ist es. Ich habe danach gesucht, wie ich dem Jungen helfen kann, nichts hat sich stimmig angefühlt. Aber das ist es jetzt. Vorbilder. Wie es auch gehen kann.
      Und bei mir selbst war es das gleiche. Es waren die Vorbilder, die anderen Lebensentwürfe, die Wärme und Herzlichkeit von anderen Menschen. Das es das alles gegeben hat, dass hat meinen Horizont und mein Herz erweitert.
      Es wäre schön, wenn er mir öfters eine sms schickt, denn so ist der Kontakt unsere Sache. Die Alten sitzen mittlerweile auf ihm drauf und lassen ihn nicht mehr aus den Augen. Stunden muss er brav auf dem Sessel neben dem Kindesvater sitzen.
      Mir ist schon seit längerem aufgefallen, dass er nicht mehr bei der Mutter kuscheln darf. Der Alte ist ja so eifersüchtig auf den Jungen.
      Schauderbar, was sich bei denen für Dynamiken abspielen müssen. Manchmal packt mich halt die Aggression.
      Was da im Heim los sein wird, habe ich mich auch schon des öfteren gefragt. Auch wenn ein Haufen Kinder mit schwierigem Umfeld dort zusammen kommen. Tja.

      ich wünsche dir alles Gute beim Umzug
      liebe Grüße
      Barbara

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