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Dienstag, 20. Juni 2017

Ganga und ihre Mutter

Das habe ich noch gar nicht erzählt.

Für meine Mutter ist es das Hauptthema, wenn sie mich sieht oder am Telefon mit mir spricht, dass ich 'so stark bin und abnehmen soll'. Auch den Mann belästigt sie mit diesem Thema immer wieder. Der ist schon derartig böse auf sie, aber es hilft alles nichts, sie lässt von dem Thema nicht und nicht ab.
Sie erzählt immer wieder von diesen und jenen Bekannten, die dick waren und abgenommen haben und wie sie das angestellt haben. Dieses und jenes soll ich auch machen, weil ich gar so stark bin.

Erst bei unserem letzten Telefonat vor einigen Tagen, ist mir klar geworden, was bei ihr los ist.

Dazu muss man wissen, dass sie mindestens 30 Kilo in den letzten Jahren abgenommen hat. Sie wiegt jetzt circa 42 Kilo auf eine Größe von 168 cm. Und ihre Gedanken kreisen ständig um das Essen. Sie erzählt jedes mal, dass sie so viel isst, aber trotzdem nicht dicker wird.

Interessiert dass wen, ich sag mal nicht wirklich.

Meine Strategie, bei dem letzten Gespräch war die, dass ich immer, wenn sie über mein Gewicht sprach damit dagegen hielt, dass sie unbedingt mehr essen muss, weil sie stark abgemagert ist und bereits im Gesicht extrem hager aussieht. So wenig Gewicht, wie sie hat, ist auch gesundheitlich bedenklich, vor allem da ich davon ausgehe, dass sie zu wenig isst und weiter abnehmen wird. Also sie muss unbedingt mehr essen.
Sie meinte, dass ich wohl alles besser wisse.

Im Laufe dieses Gespräches bemerkte sie empört, dass sie keine Magersucht habe, sie habe nämlich Osteoporose und da wird man dann so schlank.

Und auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Magersucht, dass ist es. Darum das ständige Kreisen ums Essen, die große Sorge, dass sie zu dick wird. Ja nicht zu viel essen.
Und sie belästigt ja nicht nur mich mit dem Thema Essen und dick sein, sondern auch ihr Bekannten.
Die Frau hat eine Essstörung, deswegen ständig das Thema.
Und ich bin mir sicher, dass einer ihrer Ärzte sie auf Magersucht angesprochen hat, denn von alleine käme sie nie darauf.

Wie ich damit umgehen werde, weiß ich noch nicht. Zumal sie sehr ignorant und nicht gewillt ist aus ihrer Welt herauszutreten.

Und ich wollte im Prinzip nur meine Ruhe vor ihr haben.

Grundsätzlich meine ich, dass es ihre Angelegenheit sei. Sie spricht ja immer wieder davon, dass sie sich zum Sterben vorbereite, sie will nicht mehr viel älter werden. Tja, darum rennt sie wohl auch so viel zu den Ärzten, weil sie Angst um ihr dalkerts Leben hat.
Ich war böse und meinte zu ihr, dass sie sich wegen dem Sterben keine Sorgen machen braucht, denn die, die von den Engeln geliebt werden, werden schon in frühen Jahren abgeholt von ihnen.






Dienstag, 13. Juni 2017

Er hat nur geringe Spuren hinterlassen

Ruft mich der Halbbruder an, weil er bemerkt hat, dass der einjährige Mietvertrag der Mieterin mit Ende Mai ausgelaufen ist.
Ja, dass war mir bewusst, aber es ist mir egal, denn ich bin froh, dass die Mieterin überhaupt bei uns wohnt. Und jetzt ist der Mietvertrag automatisch auf ein dreijähriges Mietverhältnis übergegangen.
Sie will weiter im Haus wohnen, damit ist alles in Ordnung.

Mit einschmeichelnder Stimme hat er zu mir gesprochen.
Ich sehe eigentlich keinen Bedarf eines zusätzlichen Kontaktes mit ihm.
Ja, man kann den Mietvertrag formal verlängern, muss aber nicht.

"Aber wir brauchen ein Schriftstück von ihr, denn wenn es Probleme gibt, können wir uns darauf berufen."
Alles Schmafu, um das geht es ihm doch nicht.

Er will einfach wieder lästig sein. Aufmerksamkeit auf sich lenken. Kontakt erzwingen. Informationen bekommen.
Ich merke es im Gespräch ganz genau. Die einschmeichelnde Stimme mit der er spricht, die sanften Erklärungen, wie wichtig dass es ist, einen gültigen Mietvertrag zu haben; Alter, ich weiß, dass der Mietvertrag grundsätzlich noch immer gültig ist, und du weißt es auch; du dämliches Unschuldslamm.

Ich zu Ihm: "Ruf Ivona an, und sag mir, wann wir uns deswegen zusammensitzen."
Er ist irritiert. Wieso ist er irritiert, dass ist doch eine klare Sache. Wenn dir was wichtig ist, dann mach es. Teile mir mit wann und wo.
Irgendetwas kann er nicht fassen. Er druckst herum, wie wichtig der Mietvertrag ist, ...... kein Interesse meinerseits, denn es ist alles schon gesagt.
"Ruf mich an, wann wir uns treffen."
Wieder ein stummes Stocken im Gesprächsverlauf.
Ich sehe keinen Bedarf andere Worte zu bemühen.
"Ähm ja, mache ich."
Pfiat di.

Treffe ich zwei Tage später die Ivona, spricht sie mich auf den Anruf vom HB an. Ihr war sein Anruf nicht wirklich geheuer und es tauchte die Frage bei ihr auf, was er von ihr will. Sie spürt es intuitiv, dass es um anderes geht.

Ja, am Dienstag (also heute) um 15 Uhr hat sie gut Zeit.
Die Sache ist für uns beide geritzt.

Ich gehe davon aus, dass mich der HB anrufen wird um mir zu sagen wann wir uns treffen, da mische ich mich nicht ein 😏

Gestern Abend sitze ich mit Ivona zusammen, ihr Freund ist diese Woche auf Besuch bei ihr. Ich bekomme mit, dass sie am Dienstag zu einer Geburtstagsfeier eingeladen ist.
Sie fragt mich, ob wir unseren Termin am Dienstag verschieben können, weil sie kann an diesem Tag nicht. Entweder auf nächsten Dienstag oder auf nach meinem Urlaub.
Nächste Woche bin ich nicht da, also Ende Juli. Ist das einfachste.

Und so ruft mich heute der HB um 13 Uhr 34 an, dass "die gute Dame heute keine Zeit hat, weil sie muss auf eine Geburtstagsfeier gehen und die ist ihr scheint's wichtiger als das Treffen mit uns".
Ja, da hat sie vollkommen recht.
Ich bin auch froh, dass mir das heute erspart bleibt.
Das hätte mir noch gefehlt, diese Bagage zu treffen.
Nach der Sache mit dem Schlafen im Auto vorm Eingang des Gasthauses vor ca. 2 Wochen habe ich sie nicht mehr gesehen.

Letzten Donnerstag Abend, Werner und Peter kommen regelmäßig nach ihrer Schichtarbeit, bemerke ich, dass Maria, die Wirtin, eilig durchs Gastzimmer läuft und hinaus huscht. Sie merkt es, das ich sie verwundert ansehe.
Und jetzt muss ich lachen, sperren die beiden Wirtsleute doch glatt die Türe zu, wenn am späten Abend die letzten Stammgäste gekommen sind, damit die drei Gestalten nicht hereinkommen und lästig werden können. Hubert erzählt mir, dass er zwei Mal beobachtet hat, wie die Stinker Dienstag und Donnerstag so um 22 Uhr 30 zur Eingangstür gekommen sind und hinein wollten. Die Haustüre war aber bereits zugesperrt. Die Vorhänge sind um diese Uhrzeit auch zugezogen und was sich drinnen abspielt, weiß man nicht.
Die Maria regt sich auf, weil angetrunken haben sie sich woanders, meistens im Bräuhaus, und dann kommen sie um halb Elf noch zu ihr und wollen was zu essen haben.  Die sollen Heim fahren, sind eh schon den ganzen Abend unterwegs, da brauchen sie nicht auch noch bei ihr einzukehren und lästig werden.
Recht hat sie.
Ich bin froh, weil es ist nicht fein, wenn ich jemanden so demonstrativ ignorieren musst.




Samstag, 10. Juni 2017

Oldtimer-Ausstellung


Der Vorläufer des E-Bikes.


Foto: Ganga



Noch nicht Elektro, dafür Benzin.
Wenn du gemeint hast, es geht nicht mehr, hast du den Motor dazu geschalten
und ab ist es gegangen mit 1er Pferdestärke. 



Mit so einem Motorrad war man in den 70ern schon wer.



Foto: Ganga

Ein junger Mann, den ich angeschmachtet habe, hatte genau so eine Comet.
Und wie lässig er darauf gesessen ist.
Ich nicht, es ist nichts aus uns geworden.
Bald hab ich schon gesagt "zum Glück".


Ein schneidiger junger Mann.


Foto: Ganga aus ihrem Fundus

Ja, da hast du schon die Mädels beeindruckt.
Der Großvater und sein ganzer Stolz.





Und ausgerüstet war frau mit einer stilechten Tasche und einer Karbidlampe.
Für mich wäre das ja nichts, den ich bevorzuge die flottere Variante.


Ein Ford Mustang, in Rot, natürlich.






Mittwoch, 7. Juni 2017

Selbstliebe

Mir bringt das folgende Video immer wieder zum Schmunzeln und ich kann sagen, ich habe Guildo Horn für mich entdeckt. Lach.




Ich konnte es nicht lassen und habe dem Pharisäer am 25.05.2017 eine Nachricht gesendet:
"Was gibt es Schönes bei dir, wie geht's."
Er hat sie wohl am 26.05. geöffnet, aber nicht beantwortet.

Ich denke an dich Clara, du hast es mir gesagt: "Erwarte keine Antwort". Ja, es ist so. Und doch habe ich es nochmals gebraucht, dass ich ihn anschreibe und sehe wo ich stehe.

Ich bin überzeugt, dass das eigentliche Thema die Selbstliebe ist.
Es ist ein uraltes Muster, dass sich hier gezeigt hat.
Ich musste der Liebe immer nachlaufen und habe sie doch nur bedingt bekommen.
Das gleiche Muster hat sich jetzt in der Geschichte mit Hans abgespielt.
Aber haarscharf gleich.

Jetzt hat mir der Pharisäer doch glatt eine Veränderungsmöglichkeit aufgezeigt. Dankbar bin ich ihm dafür aber nicht, dass würde mir zu weit in den Masochismus gehen.

Ich möchte gut behandelt werden. Das heißt dann auch, dass ich von mir selbst ein Bild habe, wie ich und andere Menschen mit mir umgehen dürfen.
Das ist für mich sehr schwer zu begreifen
und dann erst die Umsetzung, dass kann ja noch heiter werden.
Aber ich bin mir sicher, dass ich noch genug Übungsobjekte und -situationen treffen
und erleben werde.

Ich kann mir vorstellen, wenn man die eigene Wertschätzung wirklich umsetzt, dann konzentriert man sich so auf die Menschen, die einen wirklich von Herzen mögen,
dass man die andere nicht mal mehr wahrnimmt.

Und diese falschen Fuffziger, die lerne ich auch noch zu entlarven.
Hah.



Sonntag, 28. Mai 2017

Der Halbbruder - Der Stalker: Co-Abhängigkeit

Das habe ich noch gar nicht erzählt.
Der Stalker, der HB, ist wieder aufgetaucht. Stolziert da mit seiner Holden ins Lokal. Kann er schon, dieses Aas, dass meint, das er von mir noch Geld zu bekommen hat. Vor allem Geld, dass uns ja gar nicht gehört, denn das Gericht wird entscheiden, wem, wie viel zugesprochen werden wird.

Und weil neben mir Platz ist, setzen sie sich an eine meiner Seiten. An der anderen habe ich Menschen sitzen, mit denen ich mich gerade gut unterhalte. Also die eine Seite fühlt sich warm an und die andere kalt und immer kälter. Aber auch die Abwehr ist schon zu viel an Aufmerksamkeit.

'Ganga, du hast nichts gemeinsam mit diesem Menschen. Ihr habt wohl denselben Vater, aber dann hört die Gemeinsamkeit auch schon auf. Nicht einmal eine Ähnlichkeit besteht. Und auch keine Verpflichtung dich mit ihm zu unterhalten. Die Erwartungen eines anderen sind seine Sache und es ist deine Angelegenheit ob du darauf eingehen willst oder nicht und in diesem Fall willst du es nicht. Dass er sich zurückgewiesen vorkommt, kannst du verstehen. Damit hat sich die Angelegenheit für dich.'

Er startet Versuche, meine Aufmerksamkeit zu bekommen, indem er beginnt von seinem Traktor zu erzählen.
Ganz schlechtes Thema.
Das Ohr auf meiner rechten Seite ist zu.

Es finden sich der Franz und der Hans, die notgedrungen bei ihnen zum Sitzen kommen. Ich weiß es, dass sie meinen, höflich sein zu müssen, und man weiß, Quatscher gibt es immer und überall. Die hält man auch noch aus, wenn man nicht zufällig Ganga und ihr Stalker ist.
Auf einmal rempelt mich Michi an und sagt, hej, die Frau schläft. Stimmt, sie schläft, der Kopf sinkt ihr auf die Brust, dann reißt es sie wieder, sie richtet sich auf, bis zur nächsten Schlafattacke. Das geht noch eine lange Zeit so. Michi und Mirella beobachten die Sache gespannt, denn das sieht man selten, dass eine im Wirtshaus schläft, ohne dass sie schwer betrunken ist.
Dem HB ist es wurscht, dass seine Liebste müde ist und nach Hause gehört, ihr möglicherweise auch. Wenn ich an die Vermüllung der Wohnung denke, schläft es sich möglicherweise hier besser.

Der HB meint wohl, dass er sich gut unterhält und so einen Platz in der Gruppe hat.
'Da hast du dich aber getäuscht, denn gerade diese Aktion bestätigt die Gäste wieder darin, welch ein Stinkhaufen, dass du bist. Außerdem sprechen zwei absoluten Familienmenschen, die für ihre Frauen und die Kinder alles tun, mit dir.'
Und die Anderen, die dich und deine Holde beobachten, sind ebenfalls nette Menschen.

Wieder werde ich angerempelt: "Sie steht auf". Aha.
Und dann kommt sie nicht mehr. Ich registriere es selbst nicht, aber die Beiden haben Unterhaltungswert für die restlichen Stammgäste.
Und weil die Frau nicht hereinkommt, beschließt Michi, nachschauen zu gehen. Er kommt kopfschüttelnd wieder herein.
"Sie schläft im Auto."
Den anderen war das schon klar. Mich erschreckt es und es erinnert mich an ihren Buben, wo sie meinte, ja wenn es ihm nicht passt, muss er halt ins Auto gehen. Auch im Winter, ohne Standheizung!
Mich trifft die Erkenntnis: Ich bin ein Nichts und du bist Alles. Mein Junge und ich sind nichts wert, unsere Bedürfnisse gibt es nicht, nur dich und das was du willst, zählt.
Sie stellt den Jungen auf ihre Ebene, darum behandelt sie ihn auch so schändlich.

Ich sehe sie auf dem Fahrersitz sitzen, mit vor der Brust verknoteten Armen, der Kopf lehnt an der Seitenscheibe und sie schläft. Direkt vor dem Wirtshauseingang, noch dazu mit der Schnauze nach vorne. Jeder kann sie sehen, das Licht vom Vorraum strahlt sie durch die Glastüre an.
Das ist bitter.

Der HB wird auf seine Lebensgefährtin angesprochen. "Ja die wird im Auto sein", sagt er ungerührt.
'Mach nur so weiter, dein Beliebtheitswert steigt gerade.'
Ich bekomme mit, dass er irgendwann aufsteht und geht.
Den Spott haben die Beiden auf ihrer Seite.

Ich muss sagen, dass sind wirklich üble Menschen. Da gibt es nur eines, nämlich fernhalten.



Bienen auf Besuch





Wir haben sommerliche Temperaturen
und die Bienen (wenn es denn eine ist)
kommen zu den Blüten
Ich bekomme keine Angst, wenn diese Flieger an mir vorbei ziehen.
Von mir wollen sie nichts,
dafür bin ich nicht süß genug.





Samstag, 27. Mai 2017

Liebesdinge im Dorf

Eine Bekannte von mir musste am Montag ihren Hund einschläfern lassen. Die Tierärztin ist zu ihnen nach Hause gekommen und hat Hypo im Garten auf der Wiese die beiden Spritzen gegeben. Zum Glück gibt es bei uns mittlerweile die Möglichkeit das Haustier in einem Tierkrematorium verbrennen zu lassen.
Um Anke beizustehen, bin ich am Donnerstag bei ihr auf Besuch gewesen.
Sie fragte mich, ob sie mir was erzählen darf, was sie sehr belastet.

In den letzten Tagen hatte sie immer wieder Besuch von den Familienmitgliedern ihres Mannes. Alle waren ganz lieb zu ihnen.
Am Mittwoch kommt die Lebensgefährtin des Schwagers zu ihr und bricht dann bei ihr in der Küche zusammen. Liegt am Boden, ringt nach Luft, und wird von Heulkrämpfen geschüttelt.
Tanja hat die Anke mal vom Boden aufgeklaubt und sie auf's Sofa gesetzt.

In meiner Kneippe war für einige Wochen eine slowenische Aushilfskraft, die letzten Freitag wieder nach Hause gefahren ist. Mirella war schon letztes Jahr zwei Mal da und über Weihnachten und Neujahr bis in den Jänner hinein auch.
Privat hat sie Anschluß gesucht, auch bei mir. Aber, obwohl ich ein kommunikativer Mensch bin und auch einen Stammtisch locker alleine unterhalte, lasse ich nicht leicht jemanden an mich heran. Mirella  ist mir körperlich viel zu nahe gekommen, denn ich mag es nicht, wenn ich eine Frau die ich nicht kenne, nur mehr 10 Zentimeter von meiner Nase entfernt habe. Auch interessieren mich keine fremden Familienfotos. Zu schnell, zu viel Freundschaft.
Ich habe bei ihren letzten Aufenthalten mitbekommen, dass sie sich mit anderen Gästen gut unterhalten hat. Am Abend hat sich eine kleine Frauenrunde aus Irina, Anke und Mirella gebildet. Die Männer der anderen beiden Frauen sind im Laufe des Abends auch mal dazu gekommen.  
Sie waren miteinander auf einem Brauereifest und What's App ist auch nicht zur Ruhe gekommen. .

Mir schickt keiner What's App Nachrichten, ich bin einfach sperriger.


Die Zeit die sie jetzt hier war, war anders. Sie ist bei mir am Tisch gesessen, hatte einen vernünftigen Abstand zu mir gehalten und wir hatten mit der ganzen Bande eine Menge Spaß.
Klar habe ich mitbekommen, dass sich einige Männer um sie bemüht haben, aber da habe ich mir nichts dabei gedacht. Und auch bei den jüngeren Exemplaren habe ich den Spaß gesehen.
Sie hat einen frischen Wind hereingebracht, auch bei mir. Und ich sag mal, so eine jüngere Frau ist halt einmal ein Magnet.
Ja, mir ist aufgefallen, dass dieses mal keine Drei-Mädels-Clique mehr zusammensitzt.

Zu Anfangs mochte ich sie ja dieses Mal auch noch nicht. Auch weil ich diesen Spruch von ihr nicht wollte "Ja, dann heirate mich".
Sie möchte unbedingt in Österreich bleiben. Was will sie dann von diesem und jenem habe ich zu Maria, der Wirtin, noch vor einigen Wochen gesagt, die sind ja verheiratet.

Und darum sitzt jetzt die Anke bei der Tanja auf dem Sofa und hört nicht mehr auf zum Weinen.

Dass Franz zu seiner Anke seit Monaten (oder Jahren, wer weiß es), garstig ist, merke ich. Er macht blöde Bemerkungen zu ihr, meint sie läuft ihm nach, soll sich doch alleine beschäftigen, wenn er aufsteht, muss sie mitgehen, er meint zu ihr, dass sie ihre Koffer packen kann, wenn sie anderer Meinung ist, ....
Franz ist Jäger und als Anke ihn kennengelernt hat, hat sie sich auch für die Jagd interessiert und legte sogar die Jagdprüfung ab. Dadurch ist sie viel mit ihm unterwegs. Im Prinzip ein kluger Schachzug, du schaffst gemeinsame Interessen.

Ja, ich habe im Winter auch gesehen, dass der Franz die Mirella angefasst hat und sie sich dabei ihm wohlig entgegen gerekelt hat, aber mei, dass heißt für mich nicht, dass er zu seiner Lebensgefährtin böse und abwertend sein muss.
Aufgefallen ist es mir, dass die Anke in wenigen Wochen stark abgenommen hat. Sie bekommt nichts mehr hinunter, erzählte sie der Tanja. 20 Kilo sind es bereits.
Letzte Woche, als sie einmal früher von der Arbeit nach Hause gekommen ist, sah sie das Auto vom Franz vor der Kneipe stehen. Sie bog auch ein, denn auf einen Kaffee kann man immer mal gehen. Betritt das Lokal, herrscht der Franz sie an, ob sie ihn kontrolliert. So erfuhr sie, dass er sich von Montag bis Freitag frei genommen hat und ab in der Früh im Wirtshaus gesessen ist. Zum Frühstücken war er dort, zu Mittag.
Mich erinnert es an die alten Sitten und Bräuche, früher hieß das "Kellnerin abpassen". Da hat es immer ein paar gegeben, die stundenlang darauf gewartet haben, dass die Kellnerin auf Zimmerstunde geht und sie mitnimmt. Getränke haben sie ihr bezahlt, aber gegangen ist meistens eh nichts.

Die Anke erzählt, dass der Franz in der Nacht mit dem Auto durchs Dorf fährt und nachsieht, ob bei der Mirella im Zimmer Licht brennt. Auch wenn sie, Anke im Auto sitzt, dreht er den Kopf und blickt zum Fenster hinauf.
Ich schüttle den Kopf. Haben wir hier noch einen Stalker.

Wer weiß, was zwischen diesen Menschen wirklich los ist. Ist es so, dass die Mirella und der Franz ein Pantscherl haben, oder wünscht er sich das nur.
Vielleicht sitzt sein Hirn gerade einige Etagen tiefer.
Mirella ist eine junge Frau, wer will da was sagen, wenn sich Liebhaber anbieten.

Ich habe auch die Vermutung, dass der Franz überhaupt ein wenig empathischer Mann ist.

Tanja meint, dass es für Anke gesundheitsschädlich ist, wenn sie länger beim Franz wohnen bleibt. Sie meint auch, dass Anke so nicht mit sich umgehen lassen soll. Sie kocht, putzt dem Kerl seine Wohnung, wäscht seine Wäsche und dann ist er so abwertend zu ihr. "Schau an, wie fett du geworden bist", "Ich bestimme, was wie gemacht wird", ....

Wenn sie knapp davor ist, dass sie geht, dann wird er wieder netter zu ihr.
Die Hoffnung stirbt erst zuletzt und wer weiß, welche unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse sie hat und in ihm sucht und er gibt es ihr nicht.
Das ist doch gerade das eigene Thema!?

Jedenfalls meinte sie zu Tanja, dass Mirella im Juli wieder kommt und sie sich den Juni und Juli mit Franz anschauen wird. Sie kann zu ihren Eltern gehen.

Ich habe die Theorie, dass auch der Franz von der Liebe (Liebeslieder hört er am liebsten!) träumt, aber sich diese nicht erfüllen kann. Er verhält sich wie sein verhasster Vater, der mit der Mutter schändlichst umgegangen ist bis diese nicht mehr konnte und sich im Stall aufgehängt hat. Wenn er sich seiner Geschichte und dem Schmerz stellen würde, könnte er sich möglicherweise seinen Wunsch nach der Liebe erfüllen und müßte nicht davon laufen. Leider gibt es da halt seine Freundinnen, die nicht verstehen was los ist.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass im Prinzip dieser Mann viel mehr leidet als die weggestoßenen Frauen.
Ich meine auch, dass es darum geht, dass Frau genug Selbstliebe braucht, einen solchen Typen hinter sich zu lassen. Das die Liebe zu sich selbst größer ist, als die Liebe zu einem anderen.
Auch wieder Entwicklungsarbeit.


Cartoon von Franziska Becker