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Mittwoch, 17. April 2013

Antwort

Eigentlich hätte der folgende Text die Antwort auf einen Kommentar von Sudda werden sollen. Da der Inhalt aber ins Detail geht, habe ich mir gedacht, dass könnte ich auch als Post veröffentlichen.

Ich hatte das unbeschreibliche Glück, dass beide Elternteile mit ihren Geschäften so beschäftigt waren und ich von wechselnden Kinderfrauen aufgezogen wurde. Das waren immer einfache und nette Frauen. Sehr, sehr lange Zeit war ich auf meine Eltern böse, weil sie mich nie wahrnahmen und sehr wenig Zeit mit mir verbrachten. Mittlerweile danke ich meinem Schicksal das dies so war.

Ich hatte ein Zimmer, das von der Mutter eingerichtet war und Besuchern immer vorgeführt wurde. Da durfte natürlich kein Tixo an der Wand kleben oder etwas anderes als von ihr ausgesuchte Bilder hängen.
Zum Anziehen gab es die Sachen, die für mich gekauft wurden. Oder von der Schneiderin gemacht. Was habe ich mich geschämt vor den anderen Kindern.
Selbständig durfte ich überhaupt nicht sein. Ich konnte nicht schwimmen, nicht Rad fahren und war irrsinnig behütet. Auf das Leben wurde ich in keinster Weise vorbereitet, da der Plan war, dass ich zu Hause bleibe.

Und was ist passiert. Mich ist diese Familie dermassen am Arsch gegangen und ich habe es schon damals eine Frechheit gefunden wie die mit anderen Leuten umgehen.
Und mit 14 Jahren ist es meiner Mutter aufgegangen, dass sie durch die Vernachlässigung die Kontrolle über mich verloren hat.

Mit 16 Jahren wollte ich unbedingt mit einer Freundin nach Florenz. 50 Euro hatte ich von meiner Mutter für die Zugfahrt und das Wochenende bekommen. Das war damals (1982) sehr viel Geld. In Innsbruck am Fahrkartenschalter wurde ich von der Polizei verhaftet und verbrachte 3 Tage im Jugendhäfen.
Ich wurde als Ausreißerin geführt und dass ich meiner Mutter Geld geklaut habe.
Als ich wieder heraußen war ging ich in eine Jugendberatungsstelle und die halfen mir, dass ich von dort ausziehen konnte.
Das war die Beste Entscheidung meines Lebens. Trotz den vielen Tiefs die ich später durchmachte.
Ich habe mir immer mein Geld selbst verdient und konnte die Ausbildung zur Sozialarbeiterin berufsbegleitend machen.

Stimmt, in diese Familie passe ich überhaupt nicht. Und ich habe sehr große Probleme zu erfassen, wie so ein Mensch tickt und diese Erkenntnis dann auch zu glauben!!! Denn für mich ist das ein unfassbares Verhalten und freiwillig würde ich mich mit so einem Menschen nicht abgeben.
Es ist für mich zum größten Teil eine sehr harte Auseinandersetzung. Denn ganz fokusiert auf die materielle Ebene zu sehen ist mir nicht in die Wiege gelegt.
Ich habe mich für den Kampf und die Auseinandersetzung entschieden, da ich jetzt erwachsen bin und ich lasse mir von niemanden die Butter vom Brot nehmen. Aber bis ich zu dieser Entscheidung kam, da war viel an weinen, schreien, altes das hochkamen, Panikattacken, Rückzug in die Depression, körperliche Krankheiten.
Wenn ich das so schreibe, dann finde ich, dass es mir in relativ kurzer Zeit, 2010 hat die Geschichte mit meinem Vater begonnen, wieder verhältnismäßig gut geht.
Die Krankenstände sind viel weniger geworden, die Panikattacken auch, ich gehe wieder meiner Arbeit nach, zwar habe ich 35 Kilo zugenommen und fühle mich wie ein gestrandeter Wal, aber die Depression ist auch am abflauen.

Aber ich kämpfe immer noch, innerlich habe ich es wohl noch nicht wirklich begriffen und akzeptiert, mit was für Menschen ich es da zu tun habe.

 

Kommentare:

  1. Wow!
    Was für eine Lebensgeschichte.

    Ich finde dich sehr stark, weil du mit "geradem Rücken" deinen Weg gemacht hast. Dafür hast du meinen vollen Respekt.

    Das Übergewicht - ein Schutzpanzer - ist ein verbliebener Rest, aber ich denke, dass sich auch dieses "Problem" lösen wird.

    Du scheinst auf einem guten Weg zu sein.

    Danke für dein Vertrauen.

    Umarmt!

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  2. Ich kann mich Suddas Worten nur anschliessen!

    Du bist auf einem guten, richtigen Weg. Mach so weiter.

    Ganz liebes und großes Danke für deine Spende!

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende.

    LG Susanne

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