Seiten

Sonntag, 25. September 2016

Seelenstriptease

Mit dem Husten und den Nebenhöhlen geht es mir wieder besser. Ich habe am letzten Montag noch ein Mittel vom Homöopathen bekommen und es wirkte. Diese hartnäckigen Verkrustungen haben sich gelöst, alles kam nochmals ins fließen.
Die Quietschgeräusche von den Bronchien, die mich ziemlich beunruhigten, haben auch aufgehört.

Und atmen, gut durchatmen, viel Luft in die Bronchien bekommen, der Brustkorb dehnt sich aus und es ist ein Wunder zu spüren, wie die Luft in meinen Körper strömen kann, wie sich der Brustkorb dehnt und wieder in Ruhe kommt.

Seit Monaten kann ich nicht mehr frei und leicht atmen. Ich muss erkennen, dass der Druck auf der Brust nicht weggehen wird, wenn ich nicht in die Tiefe meiner Geschichte gehe.

Meine Mutter wird immer schwächer und ich komme in die Rolle, mich um sie kümmern zu müssen. Es ist schon klar, dass ich mich nicht kümmern muss, wenn ich nicht will.
Aber ich habe den Eindruck, dass ich noch einige offene Rechnungen mit ihr habe. Nicht jetzt im Sinne von Streiten oder Vorwürfe, sondern es geht um die Sichtweise, darum nochmals mit meinem jetzigen Blick auf das früher schauen zu können.
Und das wird nicht einfach, es ist wieder eine Reise in die Selbsterfahrung. Dahin, wo Schmerz, Verzweiflung, Hilflosigkeit und Bodenlosigkeit zu Hause waren.
Und eigentlich dachte ich, dass ich das endlich hinter mir hätte. Weil ich auch meine, dass es nicht unbedingt erforderlich ist, etwas Aktuelles mit Vergangenem in Zusammenhang zu bringen und da nachzuforschen.
Leider muss ich erkennen, dass meine Weigerung in meine Geschichte zu sehen in diesem Fall nicht erfolgreich war.


Ich sag euch, Ringelnatz schreibt mir aus der Seele. Es braucht einfach auch etwas zum Schmunzeln.


Sich interessant machen (Für einen großen Backfisch.)

Du kannst doch schweigen? Du bist doch kein Kind
Mehr! – Die Lederbände im Bücherspind
Haben, wenn du die umgeschlagenen Deckel hältst
Hinten eine kleine Höhlung im Rücken.
Dort hinein mußt du weichen Käse drücken.
Außerdem kannst du Käsepfropfen
Tief zwischen die Sofapolster stopfen.

Lasse ruhig eine Woche verstreichen.
Dann mußt du immer traurig herumschleichen.
Bis die Eltern nach der Ursache fragen.
Dann tu erst, als wolltest du ausweichen,
Und zuletzt mußt du so stammeln und sagen:
"Ich weiß nicht, – ich rieche überall Leichen –."

Deine Eltern werden furchtbar erschrecken
Und überall rumschnüffeln nach Leichengestank,
Und dich mit Schokolade ins Bett stecken.
Und zum Arzt sage dann: "Ich bin seelenkrank."

Nur laß dich ja nicht zum Lachen verleiten.
Deine Eltern – wie Eltern so sind –
Werden bald überall verbreiten:
Du wärst so ein merkwürdiges, interessantes Kind.

(1883 - 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler




Kommentare:

  1. Ich wünsche Dir viel angenehme Luft in den Lungen und genügend Kraft zum entspanntem ausatmen!
    Wenn ich so zu Hause bin, dann seuftze ich neuerdings ab und an mal tief und fest und das tut gut.
    Liebe Grüße
    Oona

    AntwortenLöschen
  2. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und dass Du die Geschichte mit Deiner Ma weiter aufarbeiten und loslassen kannst.

    Liebe Grüsse
    Clara

    AntwortenLöschen