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Samstag, 18. Mai 2013

Eine behinderte Kollegin

Am Donnerstag waren meine Kolleginnen als Zeuginnen zu einer Gerichtsverhandlung geladen. Sie fragten mich und sich wieso ich keine Ladung erhalten habe.
Weil ich zu dem Vorfall nichts sagen kann, da ich nicht dabei war und niemad meiner Klienten invollviert war.
Ich bekam Angst, dass ich wieder gemobbt werde. Und die 3er Meute kann stark sein.
Ich ging mit leicht grummeligen Gedanken in die Arbeit. Und es kam anders als befürchtet.

Meine Kollegin, ich nenne sie Franziska (Name geändert) rief mich nach der Zeugenanhörung an und war fassunglsos was sie erlebt hat. Franziska ist eine Psychoanaltikerin und eine g'schaite Frau.
Angelika, um deren Klienten es ging, konnte dem Richter keine Antworten geben. Weder zum Ein- und Auszugsdatum noch zu den inhaltlichen Sachen. Sie ist abr nicht anders als sonst auch gewesen, nur bei uns im Büro fällt dies nicht auf, wenn man nicht hinsehen will.
Und die dritte Kollegin, sagen wir Grete, war so und so von der Rolle. Hochgradig nervös und hat genervelt. Franziska hat sie versucht zu beruhigen und ihr gut zuzureden. Zum Schluss hat sie ihr gesagt, wenn sie wirklich gehen will, dann soll sie es tun.

Im Gerichtssaal saß unsere Geschäftsführer, als Beklagter (es geht um eine Winterräumungsaktion) und war ständig anwesend.
Als Angelika, die wichtigste Zeugin, zur Aussage aufgerufen wurde, war sie nicht in der Lage alleine in den Raum zu gehen. Wichtig ist, zu wissen, dass wir in unserer Arbeit einiges an Aussendienst zu erledigen haben und auch im Büro ständig auf den Beinen und aktiv sein müssen. Also hat Franziska die Angeika hineinbegleitet und ihr beim Niedersitzen geholfen. Egal welche Frage vom Richter kam, Angelika sagt zu jeder, dass weis sie nicht und grinste in ihrer Hilflosigkeit. Klar war, die Frau ist geistig für eine klare Ansage nicht in der Lage. Sie hat kaum noch Zähne im Mund und die welche sie hat sind braun mit schwarzen Löchern. Und da ihr das egal ist grinst sie halt wie bei uns auch über das ganze Gesicht. Franziska war ehrlich schockiert, da sie sozusagen als Aussenstehende die Szenerie beobachten konnte. Der Richter mit seinen Fragen. Die Kollegin, die nicht mehr in der Lage ist etwas halbwegs vernünftiges von sich zu geben und der Chef, der diesem Schauspiel fassunglos folgt.

Franziska ist in den letzten beiden Wochen schon öfters zu mir gekommen, da sie sich über den schlechten Gesundheitszustand von Angelika Sorgen macht. Was Angelika hat weiß sie selbst nicht einmal genau. auf Intervention von ihrem selbst schwerstbehinderten Mann und uns ist sie 2009 in die Nervenklinik zu Abklärung gegangen. Sie sagt sie hat eine Verlegenheitsdiagnose bekommen, nämlich MS, das sie sicherlich nicht hat. Kann sein, was auch immer. Früher ist sie auf Restless Legs und auf Rheuma behandelt worden.
Das ihr Zustand schon seit langer Zeit, also seit Jahren, so und nicht anders ist,wollte halt niemand sehen. Die Arbeit wurde großteils von Angelika und mir, da wir die Vollzeitkräfte sind, miterledigt. Und das nicht aus falsch verstandener Hilfbereitschaft. Die Kollegin hat einen geschützten Arbeitsplatz und ist faktisch unkündbar. Auf einen Arbeitsprozeß läßt sich meine Firma nicht ein. Also mussten wir mit ihr umgehen lernen. Mit der Zeit konnte ich meine Dienstleistungen einstellen und alles wurde von Franziska erledigt. Die Aussendienste usw. Ich bringe ihr nur mehr den Kaffee oder Wasser für Tabletten oder Sperre ihr die Toilette auf, trage Schriftstücke nach oben oder hole Wohnungsschlüssel aus dem Schlüsselkasten. Ich plaudere mit ihr und damit hat sich für mich die Sache. Es habe es mir hart erarbeitet, nicht auf ihr Unvermögen zu achten.

Ich muss sagen, ich habe es gelernt mit der Behinderung der Kollegin zu leben und sage den Kolleginnen jetzt dass, was die mir früher sagten: "Die Angelika wird schon selbst wissen wann sie gehen will".

Und die Franziska ruft mich an, kommt zu mir und meint, dass es Zeit ist, das ihr das Team sagt, sie soll gehen.
Ja gute Frau, dass habe ich schon vor 3 Jahren gesagt und wurde so schwer gemobbt, dass ich fast daran zugrunde gegangen wäre. Keiner wollte das Offensichtliche sehen. Es hat sich zu jetzt nicht viel geändert, es reicht halt den anderen, das sie sie immer betüteln müssen. Sie kann kaum noch gehen und will keinen Rollstuhl verwenden. Sie trinkt nichts und jammert über so viel Durst, aber meint dann, sie kann nicht trinken, denn sonst passiert ein Unglück.
Es ist wirklich übel.

Nur ich kann mich nicht daran beteiligen zum Chef zu gehen, der das übrigens schon seit 3 Jahren weiß und sagen, er muss jetzt etwas tun. So geht es nicht weiter.
Ich habe meiner Kollegin gesagt, sie soll einfach nicht mehr so fürsorglich sein. Man kann das Team so nicht nach oben hin schützen. Es wird nicht besser und nicht schlechter, wenn sie die Dienstleistungen reduziert auf manchmal nach Hause fahren. Und wenn die Kollegin was braucht, dann kann sie es ja sagen. Kein Problem. Nur ist das dann offiziell.

Und ruhig verhalten. Wenn, dann ist es Sache der Chefität. Wir machen nur mehr das "normale" für Angelika und arbeitsmäßig bleibt es bei ihr. Wieso geht sie nicht schon längst. Weil sie bleibt wegen den Kontakten. Zu Hause spielt sich nichts mehr ab und sonst hat sie keine sozialen Kontakte.

Klar werden wir von oben immer wieder gefragt wie es mit Angelika geht. Nur sag da mal die Wahrheit, dann gehst du im Team über den Jordan. Das habe ich ja selbst schon schmerzhaft erlebt.

 

Kommentare:

  1. Schwere Situation. Ich helfe gerne und oft, aber manchmal kann Hilfe schlecht für einen Menschen sein, denn irgendwann verlassen sie sich darauf und kümmern sich selber immer weniger, werden dadurch zur Last und so weiter, du beschreibst es ja gut.

    Eine Person schützen kann auch bedeuten, sie einfach auflaufen zu lassen, damit sie eigene Erfahrungen sammelt, ihre Stücke daraus zieht, lernt und selber handelt.

    Ich lernte ein behindertes Mädchen kennen. Geistig war sie durch einen Sauerstoffmangel und andere Schäden leider nicht sehr fit, aber und das ist der Hammer, sie hat sehr schnell heraus bekommen andere nach ihrer Nase tanzen zu lassen, so dass ihr fast alles abgenommen wurde.
    Problem dabei ist nicht, dass andere für sie arbeiten, sondern das sie selber unterfordert wird! Man wird faul, auch im Kopf, verlässt sich auf andere und wird unfähig selber zu handeln. Den Eltern wurde von der Schullehrerin erklärt, dass das nicht gut für sie ist, auch weil irgendwann die Eltern selber zu alt sein werden und so weiter.

    Manchmal muss man andere zu ihrem "Glück" zwingen, indem man die Füße still hält und sie selber machen läßt, auch wenn es bedeutet, dass sie nichts machen und dadurch Schaden haben.

    Vielleicht konnte ich dir ein kleines bisschen helfen?

    Liebe Grüße,

    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      Genau so wie du es im letzten Absatz beschreibst, so wird es kommen. Wenn wir nicht da wären, hätte sie schon längst "Schaden" genommen.
      Meinst du, dass dann für sie Neues entstehen kann? Wenn es wo nicht mehr geht, dann paßt die Sache vielleicht für sie nicht mehr. Und ja, man zwingt sie dann zu ihrem Glück.
      Vielleicht wäre sie froh, wenn sie sich nicht mehr jeden Tag aus dem Haus quälen müßte. Und bringt selbst die Entscheidungskraft nicht mehr auf.

      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Liebe Grüße,
      ganga

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    2. Ich finde es sehr wichtig das man Menschen hilft, hilfe kann alles bedeuten, eben auch jemanden in sein Unglück rennen zu lassen, außerdem denk doch auch mal an Dich! Man kann nicht immer helfen und wenn es einem zu sehr mit nimmt, bringt es keinem was. Es ist ihr Leben und Du hast auch noch Dein eigenes Leben!

      Bei den indischen Gottheiten steht die Göttin Kali für die Zerstörung, weil nur aus Zerstörung etwas neues entstehen kann! Vielleicht klingt es für manche anfangs unlogisch, aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, kommt man auf den Trichter.

      Manchmal muss man sich verschließen, weil es einen zu sehr weh tut, um sich selbst zu schützen, denn wenn man selber an etwas kaputt geht, hilft man keinem mehr.

      Mach Dich also bitte nicht so verrückt!

      Liebe Grüße,

      Nicole

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