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Donnerstag, 24. September 2015

Beruflicher Alltag

In der Arbeit ist viel los.  In den Geschichten der Menschen ist immer etwas in Bewegung.  
Seit einigen Wochen bewegt sich die Spirale generell nach unten, was auch mich  begonnen hat zu schwächen
Umso mehr habe ich mich heute über zwei Anruferinnen gefreut, die mir erzählten, wie sich bei ihnen alles zum Guten gewendet hat und sich bei mir bedankt haben.

Ich habe mir auf youtube einen Ausschnitt vom Film "Die verrückte Welt der Ute Bock" angesehen und mußte feststellen, dass kenne ich doch alles. Gerade das ich nicht sage, dass bin doch ich.
Vielen in meiner Branche wird es ähnlich gehen.

Den Film kaufe ich mir aber nicht, denn ich glaube, dass er auf die gesamte Länge gesehen möglicherweise überzeichnet sein wird. Und diese Art der Arbeit sollte ja auch differenziert,... bla,bla, ...  gesehen werden.

Die Ausschnitte haben das Wesentliche gezeigt.

Und da ist mir heute ein Blogeintrag von Angelika Wende aufgefallen, der grundsätzlich und auch im speziellen sehr gut paßt:

Aus der Praxis - Die Ursachen der mangelnden Abgrenzung



Mittwoch, 23. September 2015

... und weg bist du

Es ist Abend und ich esse dünne Brotscheiben mit viel Butter und mit zentimeterdicker Schicht geschnittenen Knoblauchs. Ein Blaufränkischer begleitet mich dazu.
Die Hälfte der Knolle habe ich bereits intus.
Ich desinfiziere mich von innen.
Der Geruch des Knoblauchs soll mir nicht wohlgesonnene Geister vom Leib halten.
Sowohl beruflich als auch privat, sollen die Menschen, die nur von mir haben wollen in die Flucht geschlagen werden.

Ich hauche alle um.

Dienstag, 22. September 2015

Gewalt, Druck, Angst und eine Möglichkeit zu siegen

Ich merke, die Zeit vergeht gerade sehr schnell. Ein um den anderen Tag vergeht im Nu und schwupps sind bereits zwei Wochen um.

Beschäftigt bin ich wie immer mit der Verlassenschaft des Vaters. Die Erbantrittserklärung ist durch und das Erbe wurde letzten Dienstag auf der Bank aufgeteilt.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass der Bruder auf die sofortige Überweisung der paar Netsch, Kröten, Geld bestanden hat. In der Situation aber war ich nur schockiert und schwer getroffen, mit welch einer Gewalt und Vehemenz er sofort seinen Anteil am Geld eingefordert hat.
Geld, Geld, Geld, und das sofort und gleich.

Schriftlich vereinbart war, dass mir die Teilung der Verlassenschaft obliegt, ich auch für die Richtigkeit der Teilung hafte und vor allem für die Zahlung der vielen, vielen Rechnungen, die ein Leben abschließen.

Die Bankfrau war irritiert von dieser aggressiven Vehemenz und machte zum Schutz der Bank und ihrer Person den Vorschlag, dass wir die Teilung jetzt über sie machen, dann hätte der Bruder seinen Anteil auch bereits morgen am Konto. 
Ich wollte mir keine Blöße geben und besann mich auf meine innere Ruhe. Jeden Handgriff für sich wahrzunehmen. Das Zittern der Hände hörte auf.
Die Bankfrau und ich rechneten und glichen unsere Ergebnisse ab. Die Zahlen stimmten überein, unsere gemeinsame Rechnung ging auf. Was für mich sehr, sehr erleichternd war.
Die Verlassenschaft wurde geteilt. Er bekam seinen Teil und war zufrieden.
Ich auch, denn es wurde mir klar, dass ich keinen Stress mehr mit ihm haben werde, was die Aufteilung betrifft.
Er widerte mich an.

Zwei Beträge, die in einigen Tagen noch zu bezahlen sind, habe ich mir auf meinem Konto zurückbehalten.
Dieses Geld musste ich mit Zähnen und Klauen verteidigen, zuerst auch gegenüber der Bankfrau. Ich erklärte, dass sie gerne mit dem Anwalt telefonieren können und legte unsere gemeinsame Zahlungsvereinbarung mit der Haftungsklausel vor. 
Es hätte sonst keine Unterschrift  auf der Zahlungsanweisung von mir gegeben!
Ich war dermaßen angewidert von ihm.

Nach dem Termin auf der Bank fragte er mich, ob wir (ich, er und seine Freundin) essen gehen. Und weil ich fand, dass ich die Gesprächsbasis erhalten soll, fuhren wir zum Wirten. 
Mir war sehr wichtig, dass ich es nicht zulasse, mich getroffen zurückzuziehen. Da stehe ich meine Frau. Mit mir haben sie zu rechnen.
Die Stimmung war nicht besonders rosig. Feierlaune kam keine auf.
Er hat sich bemüht, gutes Wetter zu machen. Soll er.

 Ich fühlte mich nach dieser ganzen Aktion sehr, sehr geschwächt. Die Luft war draussen, ich war schockiert und persönlich sehr enttäuscht.
Im Nachhinein erkenne ich, dass dieses Druck machen zu seinem Wesen gehört und er hatte sehr große Angst, dass er nicht zu seinem bißchen Geld kommt. 
Ich habe ja bereits seit langem die Vermutung, dass er hoch verschuldet ist und kein Geld mehr von der Bank bekommt.

Und da die Depression im Umgang mit diesen Menschen keine Option ist, zeige ich eine andere Möglichkeit auf, mit diesen Leuten umzugehen:


 



Sonntag, 6. September 2015

Das Krickerl, der Halbbruder und die G'schlösser

Ich habe mit dem Stiefbruder telefoniert und im Laufe des Gespräches meinte er, dass ein bestimmtes kleines Hirschgeweih aus dem Trophäenraum verschwunden ist.

Aha, wo soll den das Teil hingekommen sein?
Ja, er weiß es auch nicht, aber den Schlüssel hatten nur wir drei, mein Mann, ich und er. Tja.

Ja, da meine ich aber auch Tja. Das heißt nämlich jetzt für mich, dass er mich oder meinen Mann des Diebstahls beschuldigt. Und dieses, sein Muster, kenne ich schon von seinen Erzählungen rund um das Erbe seiner verstorbenen Mutter.
Da stehlen andere aus der Verwandtschaft den Schmuck seiner Mutter, den er ihr gekauft hat und anderes.
Alles Lüge.

Ich empfehle ihm in unserem Fall, dass er die Polizei einschaltet, denn das gehe wohl nicht, dass uns jemand das Haus ausräumt.
Ich merke, dass er Angst bekommt und versucht abzuwiegeln.
Ich werde ganz schön aggressiv dabei und sage ihm, dass er Zeuge ist. Damit dränge ich ihn in eine Ecke und da der Kerl das alleine eh nicht „da’steht“ holt er sich seine Lebensgefährtin als mächtiges Objekt her. Ihr sei nämlich aufgefallen, dass so viele leere Schachteln herumstehen und in einer Schachtel Dokumente fehlen.
Ja mehr habe ich nicht gebraucht.
Ich hab es gewusst, dass wir an den Punkt kommen werden, daß es klare Ansagen brauchen wird.
Dem hänge ich ein Schloß vor den Riegel, im wahrsten Sinne des Wortes. 

Ich erinnere ihn daran, dass er an das Haus seiner verstorbenen Mutter ein Bogenschloss gehängt hat, damit niemand anderer ohne ihn das Haus betreten kann.
Das ist eine wirklich gute Idee und das machen wir bei uns auch.
Schweigen im Walde.
 
Und da ich das A… schon kenne, werde ich ihn mir gleich weiter beim Krawadl herziehen.
Ich sag ihm, dass ich gleich mal zum Haus fahre und nachschauen gehe. Jetzt schwitzt er wieder, ich merke es durch das Telefon an seiner Stimme. Und er will unbedingt auch dabei sein.
Gut, dann sehen wir gemeinsam nach.

Finden tun wir das Teil eh nicht, aber ich beginne mich zu erinnern was damit geschehen ist.
Und nett bin ich nicht mehr, Klarheit ist da und Grenzen ziehe ich.

Auf die fehlenden Dokumenten angesprochen, meint das A.. das seiner Freundin aufgefallen sei, dass in einer Schachtel weniger Papier drinnen ist.
Voll primitiv.
Und zu den vielen leeren Schachteln habe ich ihm gesagt, dass das die ganzen Deckeln zu den Schachteln sind, wo die kleinen Jagdtrophäen drinnen sind.
Zertifikate, die vorher bei den kleinen Trophäen in den Schachteln waren, liegen auch herum wie ich laut festellen musste.

Wir vereinbaren, dass wir am Wochenende miteinander den Hausstand im Trophäenraum aufarbeiten werden. Dann verabschieden wir uns gesittet voneinander. Eine Umarmung gibt es von meiner Seite her nicht mehr.


In den nächsten Tagen kaufe ich zwei Bogenschlößer. Die kommen am Wochenende an die Tür ran und dann ist Schluss mit diesen Sperenzchen.

Gut gehen tut es mir bei dieser ganzen Angelegenheit nicht. Es ist aber wieder eine Herausforderung für mich, unangenehme Dinge, so bald wie möglich anzusprechen. Mit aller Klarheit.

Ich habe es dann zum Glück geschafft, nach einer kurzen Pause auf dem Sofa, mit dem Mann  noch ins Gasthaus zu gehen und Spaß zu haben. 

Und jetzt habe ich das Frühstück soweit verdaut und werde am Ergometer meine Runden drehen. Auf mich gut zu schauen damit die Knie wieder rund laufen und ich auch. 
Wenn schon das Umfeld ignorant ist, brauche ich es zu mir nicht auch noch sein. 
Selbstfürsorge ist Programm.
(na schau mer mal wie lange das anhalten kann)


Euch noch einen schönen Sonntag
ganga



Samstag, 5. September 2015

Es ist doch geworden

Jetzt habe ich eine lange Blogpause eingelegt. Mitgelesen habe ich bei euch, aber ich bin irgendwie in eine Starre verfallen.

Es hat sich vieles getan in diesem letzten Monat.
Meine Erbantrittserklärung ist endlich von der Richterin, die mir „aufgesessen“ ist, zu meinen und des Halbbruders Gunsten von ihr  beschieden worden.
Sie wurde aber auch massiv vom Rechtsanwalt unter Druck gesetzt. Noch Ende Mai 2015 hat er eine schriftliche Eingabe gemacht und ihr eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes zukommen lassen und sie aufgefordert in diesem Sinne zu entscheiden.
Und da wir wissen, dass auch eine Richterin ein Mensch ist und dementsprechend auch ihre Urteile anpasst, fiel dem Anwalt im persönlichen Gespräch mit ihr ein, dass sie ja als Familienrichterin mit der Familie aus der ersten Ehe meines Vaters sprich Halbbruder schon befasst war.
Ein Kommentar soll gewesen sein: „Eine schwierige Familie, darüber brauchen wir gar nicht reden.“

Und dann kam sie also doch, die zur Gänze eingeantwortete unbedingte Erbantrittserklärung von mir und dem Halbbruder.
Und die bedingte Erbantrittserklärung von Frau ….. wurde zurückgewiesen.

An einem Dienstag abend habe ich die mail vom Anwalt bekommen. Und am Mittwoch musste ich zu Mittag nach Hause gehen, weil ich starke Kopfschmerzen hatte, Fieber kam dann auch dazu und ich lag im abgedunkelten Raum.
Und erst jetzt viel mir auf, wie angespannt ich durch diese lange Unsicherheit und den ständigen Krampf war.

Ich wußte ja, dass die Alte nur haben und nicht für die Ausgaben beim Vater einstehen wollte. Ich hatte solche Angst, dass ich das Geld, dass ich für das Begräbnis und den Abschluß seines irdischen Lebens gezahlte hatte nicht mehr zurück bekomme und so wäre es auch gewesen, hätte die Richterin sich doch getraut nach ihrem Gutdünken zu entscheiden.
Da wird mir heute noch übel, wenn ich daran denke.

14 Tage nach Zustellung war noch die Einspruchsfrist. Jeden Tag habe ich ausgeharrt. Legt sie ein Rechtsmittel ein oder nicht.
Sie hat kein Rechtsmittel eingelegt.

Die ganze Angelegenheit hat mich viel Kraft gekostet. Die innere Angespanntheit löst sich langsam auf.
Dabei habe in letzter Zeit wieder zu viel gegessen, keinen Sport gemacht und auch sonst fühlte ich mich lasch und ausgelaugt. Gestern habe ich mich dann mit am Wein gestärkt vergriffen.
Und da ich heute wieder einmal etwas poste hoffe ich, dass ich es mir wieder wert sein werde.

Es ist halt auch so, was sich zuerst nach Vorbei anhört bedeut auch, den Halbbruder noch auf der Pelle zu haben. 
Auch hier zeichnen sich Lösungen ab. 

Aber auch das Warten und Harren ist sehr anstrengend und kostet Kraft. 




Donnerstag, 13. August 2015

Aus der Arbeit: ... Feuer, es brennt ....

Ich bin heute morgen von einem Bewohner verständigt worden, dass es in der Nacht von gestern auf heute einen Brand in dem Wohnhaus gegeben hat, wo der irre Typ von gestern wohnt.

Die Story hat mich zuerst bestürzt, dann war ich beunruhigt und jetzt bin ich durchaus gespannt ob da noch etwas an Aktionen kommen wird. 
Mein Job als Urlaubsvertretung ist mit morgen Mittag beendet und am Montag ist wieder der Kollege da, den der aggressive Typ angeht.
Ich bin neugierig und werde beobachten und so wie ich die Lage einschätze, werde ich weiter eingebunden bleiben.

Die Geschichte hat sich in der Nacht folgendermaßen abgespielt. Um 2 Uhr früh steht der Müllmann (Pseudonym) auf um pinkeln zu gehen. Tramhaperd tappt er zur Toilette und als er sich dann entspannt fühlt, nimmt seine Nase einen Brandgeruch war.
Langsam wacht er auf, seine Sinne sammeln sich, die Augen öffnen sich auf Halbmast und er wankt ins Zimmer zurück, um zu schauen, von wo der Brandgeruch herkommt. Aber nichts ist los in seiner Wohnung, und auf der Terrasse bemerkt er auch kein Feuer. 
Zum Glück ist er schon soweit munter, dass ihm der Brandgeruch komisch vorkommt.

Ja wenn’s nicht in der Wohnung ist, und auf der Terrasse auch nichts mit Rauch und Feuer ist, dann sind die Möglichkeiten schon beschränkt. 
Als der Müllmann die Wohnungstür aufmacht dringt ihm schon dicker Rauch aus dem Stiegenhaus entgegen. Und weil der Typ tough ist, rennt er mitten in den Rauch hinein und klopft die anderen Bewohner aus den Wohnungen. … es brennt, Feuer, raus aus der Wohnung, Feuer, es brennt…. Und schlägt vermutlich so heftig an die Türen, dass es wirklich jeder hört. Dann ruft er die Feuerwehr.

Und wisst ihr, was gebrannt hat?
Im Erdgeschoß, unterhalb der Postkasteln stehen immer einige Kartons für die Werbeprospekte zum entsorgen, und die wurden angezündet. Um 2 Uhr früh. Wo alle schlafen. Wenn das keiner gemerkt hätte. Zum Schluß hätte die Kraft des Feuers für einen Hausbrand ausgereicht.

Die Feuerwehr ging dann in jede Wohnung, die Türen und Fenster mussten geöffnet bleiben, damit der Rauch abziehen kann.
Ob es der aggressive Mitmensch war, kann man nicht sagen. Das es Brandstiftung war ist klar, aber sonst …



Dienstag, 11. August 2015

Aus der Arbeit: Eine Geschichte ... von früher und heute

Ich mache gerade die Urlaubsvertretung für einen Kollegen und komme bei einer Aufkündigung des Wohnverhältnisses zum Handkuss. Es ist immer eine schwierige und traumatische Sache, wenn jemand aus der Wohnung muss.

…  und ich denke mir, den Mann kenne ich doch. Er sieht zwar ganz anders aus als noch vor 30 Jahren, aber ich erkenne ihn doch wieder.

Unsere Begegnung damals war kurz. Er war mit einem Freund unterwegs und ich mit einer Freundin. Sein Freund und ich waren uns sympathisch und wir wollten den Abend zusammen verbringen. Also zogen wir zu viert um die Häuser und irgendwann landeten wir dann zu viert in der Wohngemeinschaft der Beiden.

Der Typ kam mir schon damals reichlich komisch vor. Er war zwar vom Gesicht her ein attraktiver Mann mit gleichmäßigen und markanten Gesichtszügen, aber er hat nicht viel gesprochen, schaute sehr grantig, gab sich unleidlich und hochnäsig.

Sein Freund und ich hatten unser eigenes Programm und er blieb mit meiner Freundin zurück. War der Typ angefressen, dass sein Freund die restliche Nacht etwas anders vorhatte. Er fand es eine Frechheit, dass der Mann mit ihm fortgeht und dann was besseres vorhat. Das sei für ihn nicht die Vorstellung von Freundschaft. Er zickte herum, war die totale Mimose, und nicht schwul!

Ein zweites Mal traf ich den Typen als ich neben der Schule Werbeprospekte austrug. Da läutete ich zufällig an seiner Tür an. Erkannt hat er mich nicht, ich sag mal, zum Erkennen gehört auch das Wahrnehmen. Und der Mann war damals ganz mit seinem eigenem beschäftigt.     
      
Der Typ textete mich da an der Türe ganz aggressiv zu, er sei Altenpfleger und habe Nachtdienst gehabt und was ich mir einbilde und bei ihm läute. Kann er nicht einmal Ruhe haben. Er wird sich an den Bürgermeister wenden, dass er nicht immer belästigt wird.  Und es gibt noch andere Personen, die ihn belästigen und vom Leben abhalten. Den Polizeiobersten kenne er auch und der werde ihm helfen.

War ich schockiert als ich ihn da stehen sah  und er abstruse aggressive Reden hielt. Ich habe ihn nämlich bei unserer ersten Begegnung ganz interessant gefunden. Er hatte so etwas Unnahbares und damals zogen mich so einsame Wölfe an. Aber als ich ihn so sah, hatte er schon ein hohlwangiges Gesicht und riesige Augen, die tief in den Höhlen lagen. Ich schaute, dass ich so schnell wie möglich weiterkam, denn damals war mir klar, dass der Typ auf harten Drogen sein musste. Auf einmal galoppierte die Phantasie mit mir durch und ich sah ihn mit einer Spritze auf mich losgehen, so aggressiv war der. Nur schnell weg.

Und dann begegnet mir derselbe Typ hier bei uns auf der Arbeit. 30 Jahre Drogenmissbrauch der härtesten Art und viel aggressiver als damals. Derzeit auf ein Substitut eingestellt. Ich kenne das eh, wenn so einer es schafft ein gewisses Alter zu erreichen, hat er nicht mehr die Power sich seinen Stoff zu besorgen. Für den Beikonsum (Tabletten) reicht es noch. Das Geld ist immer knapp, seinen Arsch (dieser Ausdruck muss sein, denn er beschreibt den unendlichen Missbrauch) kann er auch nicht mehr so verwerten wie früher und zum Klauen fehlt ihm mittlerweile das ruhige Händchen. Und vor einer Haft haben Drogensüchtige ja eine Heidenangst, denn da werden sie mit minimalen Dosen Gift auf null herabgesetzt. Und jeder der Mithäftlinge geht davon aus, dass er ein Stricher ist. Das Gerücht, dass Häftlingen potenzmindernde Mittel durchs Essen verabreicht werden, stimmt nicht.

Er hat gestern den Brief mit dem angekündigten Rauswurf mit Ende August bekommen und schon gestern ist er viermal bei mir aufgetaucht. Ein ums andere Mal aggressiver. Und immer die gleiche Leier. Bei einem Rechtsanwalt war er, in der Klinik ist er bekannt, den Stadtrat … kennt er, an den Bürgermeister hat er sich bereits gewendet, und diese Leute lassen sich das nicht bieten, dass mit ihm so umgegangen wird.

Morgen wird seine Geschichte und wie ihm übel mitgespielt wird in der Zeitung stehen usw. Zuerst  ließ er sich noch beruhigen und er zog ab. Beim letzten Mal brachte er mir einen alten Strickhandschuh mit und fetzte ihn auf meinen Schreibtisch (Fehdehandschuh). Ich soll ihn gefälligst bei meiner Chefin abgeben.
Ich: „ Sie, Herr … interessieren mich. Ich kümmere mich nicht um die Firma sondern bin für sie da. Den Fehdehandschuh werde ich nicht weiterreichen, den mit der Struktur der Firma habe ich nichts zu tun.“

Er zog unter Mitnahme des Handschuhs ab.

Der Chefin kündete er ein Blutbad an.

Für mich interessant ist die Sache, dass sich das Verhalten vom Stiefbruder und ihm ähnlich ist. Beide erhöhen sich indem sie mächtige Leute ins Spiel bringen. Beide fühlen, dass sie es zu nichts gebracht haben (viele von uns werden in dieser Vorstellung erzogen) und holen sich Verstärkung durch mächtige Menschen. Dann werden sie auch mächtig und können es den anderen zeigen, dass sie bestimmen und nicht wer anderer.

Und auch der Umgang mit Herrn … ist derselbe. Immer höflich bleiben, durchaus zugewandt, er bekommt Aufmerksamkeit und dann wird er ruhiger und geht von selbst. Sobald er merkt, dass er nicht ernst genommen wird oder man ihn weiterhaben will, beginnt er zu wüten und du bringst ihn nicht mehr weiter.

Klar kann man da die Polizei holen, nur das bringt rein gar nichts. Nach drei Stunden ist er wieder da und die ganze Chose fängt von vorne an. Und eine Fremdgefährdung und Einlieferung in die Klinik bringt auch nichts, da sie ihn nach einigen Stunden auch wieder auslassen müssen. Und keiner will ihn haben, er ist schon bekannt wie ein bunter Hund.

Nachtrag: Heute war er um halb elf wieder im Büro. Ich kam gerade von draußen herein und fragte ihn höflich, was ich für ihn tun kann. Er war irritiert und meinte, er lässt sich von mir nicht blöd anreden. Ich frage ihn wieder höflich, was ich für ihn machen kann und darauf meinte er ich soll mir morgen die Kronenzeitung besorgen, da stehe alles drinnen. Ich nahm es zur Kenntnis und verabschiedete ihn und zog meine Bürotür zu.
Er zog ab, beim Hinausgehen kam ihm eine Kollegin entgegen, die er anschrie, dass er für so Gfraster wie sie nicht die Türe aufhält.

Es bleibt spannend.