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Sonntag, 2. März 2014

Beeindruckende Sinnlichkeit

Wenn ich daran denke grinse ich in mich hinein, bin fasziniert von dem was ich dort gesehen habe. Ich war beruflich heute am Vormittag bei einer Hausbesichtung. Mit einem Immobilienmakler und einem Bauträger.  Und ich sage mal, so ein Haus habe ich noch nie gesehen.

Alte Dinge und auch alte Häuser haben für mich oft  eine sehr charmante Ausstrahlung.
Als ich vorab die Fotos des Hauses gesehen habe war ich sehr gespannt, was mich dann wirklich erwartet.

Klar war schon, dass das Haus nicht gepflegt wurde. Der Eindruck hat sich bestätigt und leider war es um einiges schlimmer als ich mir gedacht habe.
Zuerst besichtigten wir das Haus von außen.
Ein altes großes Bauernhaus mit einem aus Steinen gemauerten Erdgeschoß und einem zu dünn gebauten Ziegelaufbau im ersten Stock.

Wann die Fensterrahmen und die Balken das letzte Mal einen Lack gesehen habe ist ungewiß. Es muss schon sehr lange her sein.
Der noch verblieben Lack schält sich ab. Er hängt wie Spänne von den Rahmen und Lamellen der Balken. Es sieht aus wie eine Nagelbrett. Da willst du nicht drüber streichen.

Die Besichtigungstour ging nun im Hausinneren weiter. Und da schlackerte ich dann mit den Ohren.
Das Vorhaus beeindruckte mich mit alten Terakottafliesen.
Dann öffneten wir die erste Tür und sahen in die Küche hinein. Also in diesem absolut schundigem Haus, ist eine gemauerte Küche mit geölten Lerchenholztüren eingebaut. Über drei Seiten, und in der Mitte gibt es eine Kochinsel. Die Arbeitsplatte ist aus rotem Untersberger Marmor. Und der Boden ist mit roten und beigen Marmorplattten gefliest.
Eine Küche wie aus dem Werbeprospekt einer hochpreisigen Firma.

Von der Küche ging es in den Essraum. Sehr bäuerlich eingerichtet mit dem Jogltisch und den Holzsesseln dazu. Aber es sah toll aus.
Gemacht vor  Jahren und wirklich benutzt. Diese Möbeln werden erst mit den Jahren schön. Wenn das Holz nachgedunkelt ist und durch das Bewohnen eine Patina bekommen hat.
Aber der Raum war nicht wie man denken würde lieblich mit Blümchen und so gestaltet. Nein nein, da stand eine Tonfigur einer sehr üppigen nackten Frau auf einem Kästchen.

Ein großer, weißer, gemauerter Holzofen sorgt für Wärme. Über der Ofentür hat der Ruß seine schwarzen Spuren hinterlassen.
Aber das Highlight kam erst im nächsten Raum. Auf der anderen Wandseite ging der Ofen weiter. Und sowas kenne ich nur von alten stattlichen Gemäuern. Ein Ofen mit sage und schreibe fünf unterschiedlich hohen Keramiksäulen. Alles in eierschalenfarben gehalten. Edel bis zum geht nicht mehr. Aber damit es nicht bieder wirkt, ist die Wand dahinter nicht bloß weiß gestrichen sondern der Rauhfaserpuzt schillert in einer leichten pinken Note! Toll sieht es aus. Auf die Idee mußt du mal kommen.
Abgerundet hat das eine riesige Couch, irgendwie rund um den Ofen gebaut und Decken und Pölster laden zum sitzen ein. Und dann steht da noch so schön mittig eine Chaiselongue, mit pinkem Samtbezug. Dieses Möbel ruft zum Verweilen. Ich hab's gehört.
Aber es gibt auch Schönheitsflecken. Der Boden im Wohnzimmer ist aus hellbeigen Plastik, da nützen auch die Teppiche nichts. Und drei Fenster wurden einfach mit Holzplatten dicht gemacht, zugeschraubt. Ein riesiger Vorhang verbirgt den Blick darauf.
Wohl die preisgünstigere Fenstersanierungsmassnahme.

Mein absoluter Liebling in dem Haus ist aber das Schlafzimmer mit offenem Wohlfühlbereich.

Ein riesig großes ovales Bett steht schräg im großen Zimmer. Mit bestem Blick auf den Himmel. Nackte Frauenstatuen aus Ton stehen dezent verteilt im Raum. Die Wirkung ist großartig.
Vom Schlafbereich geht es in einen offenen Badebereich mit einer tollen großen Badewanne mit Massagedüsen. Einer kleinen Sauna für eine Person und dieser tollen Psyche. Das Muß-Möbel der 40er und 50er-Jahre.
Wieso es auch so toll wirkt, ist, dass alles noch bewohnt wirkt. Auf dem Kosmetiktisch steht noch die Shiseido Creme der Frau. Ihre Kleidung, die Ketten und  alles was man halt so noch hat. Als wäre die Frau nur nach nebenan gegangen.

Innen ist das Haus wirklich außergewöhnlich hergerichtet. Aber für die Erhaltung des Hauses wurde nichts investiert.

Wenn du dass Haus fertig saniert hast, brauchst du kein Haus mehr, denn dann bist du auch fertig. Die Kosten würden auch explodieren.
Es wird der Bagger drüberfahren.



Kommentare:

  1. Liebe Ganga,
    die Sache mit dem Bagger stimmt mich traurig. Ich hoffe, dass davor wenigstens noch einiges von dem, was die Sinnlichkeit des Hauses und den optischen Wert ausmacht, herausgeholt werden kann - die Küche abgetragen, die Terracottafliesen vorsichtig herausgeholt, die Öfen gerettet...! Seltsam, die Sache mit dem Plastikboden im Wohnzimmer... Für mich klingt es im übrigen ja fast so, also hätte dort einmal ein Mensch mit Geschmack gelebt und dann nur noch jemand, dem alles nicht so wichtig war - vielleicht ein Mann, dem die Frau weggestorben ist ... Weißt du, ob das so in etwa hinkommt - und von wann diese Einrichtung größtenteils stammte?
    ♥♥♥♥ Ganz herzliche Rostrosenmontagsgrüße
    von der Traude ♥♥♥♥

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    1. Leider weiß ich nur, dass eine 70 Jahre alte Frau mit ihrem Sohn dort gelebt hat. Die Frau dürfte um die 40-50 Jahre in dem Haus gewohnt haben. Ja, es ist etwas seltsam. So liebevoll hergerichtet und das wesentliche ist nicht gemacht. Die Frau hätte ich gerne kennengelernt.
      Was mit den teuren Sachen passiert? Ich weiß es nicht. Der Erbe will für die Hütte 348.000.- bezahlt bekommen., was absolut unrealistisch ist.
      Da hast mich jetzt zum Nachdenken gebracht. Ich hätte gerne was von der Inneneinrichtung. Den alten Tisch, die Sessel, die Frauenskulpturen. Der Immobilienmakler war total nett und den werde ich fragen, wenn das Haus unter den Bagger kommt ob ich dem Besitzer Möbel abkaufen kann. Vielleicht kann man den Besitzer motivieren, dass er die Teracottafliesen usw. gegen Selbstabholöung hergibt. Es wäre witrklich jammerschade. Das mach ich.
      Danke Traude für die Anregung.

      Liebe grüße
      ganga

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