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Sonntag, 16. Juni 2013

Verantwortung oder nicht

Ach ja, jetzt habe ich es schon Tag für Tag hinaus gezogen diesen Post zu schreiben. Es beschäftigt mich, welche Haltung ich im Team einnehmen soll. Ich kann mich nicht entscheiden.
Ich selber sehe schon seit geraumer Zeit dass die behinderte Kollegin ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen kann. Das hat Folgen für ihre Klienten. Und keine guten. Das regt mich auf und ich finde es eine Frechheit, dass sie sich im Büro eingenistet hat. Sie hat hier definitiv nichts mehr zu suchen.
Das ist meine Meinung.

Eigentlich habe ich es gut ausgehalten, mit der Haltung, dass es mir egal ist was die behinderte Kollegin tut oder nicht tut. Das es mir gar nicht auffällt. Nichts hören, nichts sehen und nichts reden.
Man könnte auch sagen ich akzeptiere den anderen so wie er ist. Ich musste es. Ich übte mich daher darin, die Situation und den Menschen so zu akzeptieren wie es ist. Und so fand ich auch einen Frieden mit der Situation, wenn auch nur oberflächlich. Sonst hätte ich mich aufgerieben.
Als dann die Kolleginnen zu mir kamen kam ich in einen Konflikt.

Ein Klient steht vor dem Rauswurf, weil er seine Miete seit 3 Monaten nicht bezahlt. Wir wissen jetzt auch warum. Die behinderte Kollegin hat keinen einzigen Termin mit ihm vereinbart. Ein Sozialhilfeantrag wurde nie gestellt! Irgendwelche anderen Ansprüche wurden nicht geltend gemacht. Und er ist nicht der einzige.

Eine Kollegin ist mit dieser Geschichte am Freitag zu mir gekommen. Verärgert und Kopf schüttelnd.
Was soll ich da machen! Da fühle ich mich irgendwie angesprochen. Und damit komme ich dann in einen Konflikt. Ob sich nicht ein Thema von Liebe bzw. Angst vor dem Nichtgeliebt werden dahinter verbirgt?

Ich kann ihr nicht anschaffen wie sie ihre Arbeit erledigen sollte.
Und ich bleibe bei meiner Haltung, dass mich die Sache nicht betrifft. Ich werde ihr ihre Verantwortung nicht abnehmen!!!!! Ich habe nämlich den Verdacht, dass sie mit provozierenden Aussagen, wie mir ist so fad,... ihre Verantwortung über eine Pensionierung auf uns abschieben will.
Den Verantwortung übernimmt sie grundsätzlich keine.

Und ich werde mich in Geduld üben. Hauptsache ich bleibe bei mir. Und wie ich jetzt den letzten Satz schreibe, wird mir klar, dass ich mich entschieden habe.

Wenn Zweifel kommen sollten, werde ich an diese Entscheidung die ich getroffen habe denken. Das ist mein roter Faden.

Es wird vermutlich nicht der letzte Post sein über diese Kollegin, weil es doch nicht so einfach ist, bei mir zu bleiben. Zuviel Empörung, zu viele Misstände, die ich wahrnehme.
Meine Wahrnehmung kann ich mir nicht abtrainieren, aber ich kann lernen damit umzugehen. Und bei mir bleiben.
Und die Situationen durchschauen!!!!

Dazu einige Kommentare die mich sehr beschäftigen:

Energie negativ, also unnötig, verwendet raubt Kraft und macht müde und matt, irgendwann depressiv ! 

"Ich lasse doch nicht die Probleme von anderen, zu meinen Problemen machen!"  Ich helfe gerne, habe aber meine Grenzen und wenn das anderen nicht passt, sind sie nicht gut für mich.
Schau das es dir gut geht und nur dann kann man überhaupt anderen helfen!

Ich wünsche Euch einen guten Wochenbeginn. Der Sommer soll ja für einige Tage bei uns vorbeischauen. Die milde Luft ist so angenehm.

Kommentare:

  1. Da du innerlich sowieso platzt vor Wut und die Klienten leiden, solltest du unter vier Augen mit der Kollegin reden: Entweder sie geht in Rente oder du meldest die Mißstände (mit Beweisen) dem Chef.
    Der Kollegin, die sich bei dir beschwert, würde ich klipp und klar sagen, dass es nicht deine Verantwortung ist und wenn sie sich darüber aufregt, sie entweder die Anträge für die Klienten stellen soll (dann ist denen wenigstens geholfen) oder sich beim Chef beschweren kann. Dann ist Allen geholfen.
    Hinter dem Rücken labern und sich aufregen hat noch nie die Dinge zum Besseren verändert.
    Solange die Kollegin gedeckt wird, auf Kosten der Klienten, wird nichts passieren.
    Was ist eingentlich, wenn so ein hilfloser Ausländer, der die Sprache nicht kann, mal an einen aufmerksamen Pfarrer ö.ä. gerät und der klagt eurem Laden den Bürostuhl unterm Hintern weg...Schön mit Presse und so....
    Das wird euren Chef freuen...
    Echt schlimme Zustände bei euch. Solange die Kollegen ihre Arbeit mitmachen und sich ärgern ist es eine Sache, aber daß Menschen kein Geld bekommen, die sich nicht wehren können, nur weil da einige Büroratschen zu feige sind...naja

    LG

    Kati

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  2. ich hätte wahrscheinlich wahrscheinlich wahrscheinlich, denn ich kenne keine von euch und das gefüge auch nicht, so reagiert, dass ich zunächst die kollegin gefragt hätte, warum sie mit ihrem wissen (der klient verliert seine wohnung) nicht an die leitung getreten ist.
    es hört so ziemlich alles auf wenn solche bedrohlichen zustände für andere, unbeteiligte, hilfebedürftige entstehen.
    was hältst du von einer aktennotiz/mail über dieses dir zugetragene wissen an die leitung zur kenntnisnahme, alle betroffenen cc.?
    ich weiß es nicht, aber ich finde, dass jemand, der betreut werden muss, seine wohnung verliert, geht entschieden zu weit.
    wenn euer vorgesetzter nicht reagieren möchte, dann hat der auch noch einen, oder?
    ich wünsche dir kraft.
    m.

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  3. Ich finde deine Entscheidung gut und richtig und wichtig!

    Halte daran fest, denn vermutlich wird es nicht leichter oder einfacher. Sobald man sich einmischt heißt es auch "mitgehangen, mitgefangen!"

    Manchmal ist ein wenig Egoismus selbsterhaltend.

    Ich wünsche dir viel Kraft!!

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