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Freitag, 30. November 2012

Geschichte aus dem Buch Kalypso von Luisa Francia (S.40 bis 43)

Beim nächsten Vollmond machte ich einen Spaziergang durch den Wald. Die freien Lichtungen sind von mildweißem Licht bestrahlt, doch durch die dichten Äste dringt wenig Helligkeit. Zuerst gehe ich sehr unsicher, bleibe bei jedem Geräusch wie gelähmt stehen und stolpere oft. Ich fange den gutmütigen Spott der Bäume auf. Sie beobachten mich. Nie ist mir zu Bewußtsein gekommen, dass dich auf jedem Waldspaziergang tausende von Bäumen wahrnehmen.
Es verunsichert mich, dass sie so ruhig stehen können, während ich mich ständig bewegen muss. Ich versuche, meinen Herzschlag und meine Schwingungen in Einklang mit den Bäumen und Büschen um mich herum zu bringen.
"Schau mit den Füßen", sagen sie. Ich ziehe die Schuhe aus. Meine Fußsohlen tasten sich über Zweige, über Laub und Moos, über Dornen.Ich muss mich niedersetzen, weil die Dornen meine Sohlen verletzen. Ich konzentriere alle meine Sinne auf meine Umgebung, strecke meine Fühler aus, öffne meinen Radarfächer nach allen Seiten. Ich beginne mit der Haut zu sehen. Mein Gehirn arbeitet fieberhaft, um all die neuen Eindrücke zu erfassen.
"Hab Vertrauen", höre ich die Bäume. Ich gehe wieder los, strecke mich dem nächsten Strauch entgegen, fühle seine Anwesenheit, weiche ihm aus, strecke meine Füße dem Boden entgegen, bei jedem Schritt. Fühle die Stacheln, noch ehe sie mich berühren, setze den Fuß vorsichtig daneben. Ein mühsamer Lernprozeß. Ich beginne zu ahnen, wo Äste liegen, wo kleine Tiere im modrigen Boden kriechen. Immer schneller kann ich gehen, ohne zu stolpern, ohne hinzufallen. Wie mit Flügeln berühre ich leicht die Baumstämme um mich herum, erfühle sie, fliege durch sie hindurch, lache und tanze. Als ich schlieslich doch falle, fängt mich ein dicker Ast vor dem kalten Bach auf.
Ich lege mich flach auf den Bauch und vertiefe mich mit meinen Sinnen in ein Buchenblatt. Gehe den Weg der feinen Adern zum Stiel in der Mitte, taste mich weiter bis zur Buche und schlüpfe in sie hinein. Ich grabe meine Wurzeln tief in die Erde hinein und fühle den Saft aufströmen, durch meinen Stamm in die Äste und Zweige.
Prickelnd dehnt die Energie der Erde sich aus bin in meine feinsten Zweige und Blätter. Ich fühle bis in die Ränder der äußersten Spitzen, wiege mich, wispere mit den anderen Bäumen, neige mich der Esche neben mir zu und berühre sie leicht mit meinen vielen Armen.
Ich stehe ruhig und fest, alle Gedanken fließen fort. Ich bin ein Baum und träume mit allen den uralten Traum von Tod und Wiederkehr. Auf meinen Ästen lassen sich Vögel nieder und singen mir so schöne Lieder, dass ich zittere und meine Blätter leise knistern.
Als die Sonne aufsteigt, fühle ich den Saft zurückfließen in den sicheren Schoß der Erde, die ihn bewahrt und mich nährt. Ich wiege mich froh im Wind.
Jemand reißt mir einen Ast ab. Der Moment des Schmerzes breitet sich wie ein lautloser Schrei in meinen Adern aus. Die anderen Bäume beginnen zu rauschen. Der Riß setzt sich fort ins Fühlen aller Zellen. Die Erde schickt ihre Kraft, um meine Verletzung zu heilen. Der Schmerz verebbt, bleibt eine unruhige Erinnerung in jedem Teil meines Baumkörpers. Auf einer Astgabel hoch über meinem Körper läßt sich die Eule nieder.
"Du mußt fort. Geh zurück in deinen Körper. Geh schnell, sonst erinnerst du dich nicht mehr an deine Welt und kannst dich nicht mehr genug danach sehnen, um dich wieder zu verwandeln."
Ich habe keine Lust, meinen unsteten menschlichen Körperanzunehmen, aber die Eule läßt mir keine Ruhe, wetzt ihre Krallen an mir und zwickt mich.
"Fort mit dir. Es gibt keine wirkliche Reise ohne Rückkehr."
Unwillig ziehe ich mein Bewußtsein aus dem Körper des Baumes, ziehe mich zurück in den Stamm, immer verfolgt von den Schnabelhieben der Eule, schlüpfe aus dem Stamm zurück in meinen Körper.
Dort liege ich auf dem taufeuchten Gras. Vor Kälte klappern meine Zähne.
Benommen sammle ich Zweige, berühre die Buche dankbar mit beiden Händen und küsse sie.
Dann entzünde ich ein Feuer und wärme mich daran. Ich lege Steine hinein und heize sie im lodernden und im glühenden Feuer auf. Als das Feuer nur noch glimmt, hole ich mit einer starken Astgabeldie Steine heraus, tropfe Wasser darüber und bedecke mich und die dampfenden Steine mit einer Zeltleinwand. Ich schwitze alle meine Ängste und Vergiftungen aus mir heraus. Ich singe ein selbsterdachtes Lied für die Buche. Aus allen Poren läuft Wasser aus mir heraus. Ich springe in den eiskalten Bach.

Auf dem Rückweg zu meinem Auto höre ich die Bäume flüstern. Diesmal fühle ich mich nicht bedroht. Ich berühre einige Stämme in meiner Nähe. Sie fühlen sich warm und lebendig an. Ich weiß, dass ich gesehen werde, gehört werde, gefühlt werde. Ich werde getragen.

Ich habe diese Geschichte gestern im Buch gelesen und sie so schön gefunden.

Donnerstag, 29. November 2012

Entscheidung



Mich hat die Frau von der Baufirma angerufen, dass sie letzte Woche am Mittwoch die Baupläne mit Ansuchen an die Gemeinde geschickt hat. Am Freitag ist sie vom Bürgermeister zurückgerufen worden. Er sagte ihr, dass er den Mann von der Baubehörde hier hatte und sie die Pläne schon durchgegangen sind.
Die Abrissarbeiten sind auch klar. Sie müssen gemacht werden.
Am 19.12.2012 ist Bauverhandlung für die Sanierung des Hauses!

So schnell! Ein Bürgermeister, der von sich aus handelt? Was ist da los?

Grundsätzlich kann man sagen, dass mein Vater in dieser Gemeinde alteingesessen ist und er war Jäger und sein Hegerevier war ein Teil des Gemeindewaldes. Man kann sagen, dass er ein bekannter Mann in seinem Dorf ist.

Wäre er das nicht, würde kein Hahn nach ihm krähen und einen Termin für die Bauverhandlung hätten wir erst im Februar 2013 bekommen.

In diesem Dorf wissen die Leute Bescheid (wie mir am Stammtisch gesagt wurde). Mehr weiß ich auch nicht.
Was heißt hier Bescheid wissen?
Das sich eine Frau seit 2011 um ihn kümmert und bei ihm wohnt. Das dieser geizige Mann dieser Frau sein gesamtes Hab und Gut vermacht hat. Das er nicht mehr weiß was los ist.
Einige der Menschen hier haben ähnliche Situationen wie ich und mein Vater erlebt. In der Familie selbst wo es um Erbschaften gegangen ist, aber auch mit Menschen die sich hilfsbedürftige Menschen herausgepickt haben.

Wie wird es weitergehen?

Von der Baufirma her wird nichts mehr gemacht bis zum Bauverhandlungstermin am 19.12.2012. Man wird sich  bei diesem Termin einigen was man abreißen wird und wie man die Genehmigung für die Sanierung bekommt.
Das Haus ist extrem verbaut, der Kerl hat getan was er wollte, ohne Genehmigung natürlich. Ihm schreibt keiner was vor.

Dann muss ich 14 Tage Einspruchsfrist gegen den Sanierungsplan abwarten und dann kann es weiter gehen.

*

Ich habe am 20.11.2012 von dem gestrengen Richter den indirekten, direkten Auftrag bekommen mich als Sachwalterin um die Anfechtung des Testament zu kümmern.
Die Weichen sind gestellt: Der Anwalt der in meinem bzw. des Vaters Namen das Testament anfechten wird (ich habe mich gestern dafür entschieden!!), der Gutachter der klar sagt, dass mein Vater zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung nicht mehr testierfähig war.

Grundsätzlich ist die Sache ja wirklich betrügerisch und wahrscheinlich kann man auch sagen in höchstem Maße kriminell. Doch so was passiert doch Tag täglich. Und da schert sich niemand ob du zu deinem Recht kommst oder nicht. Wenn ich nichts habe und auch nicht die richtigen Verbindungen habe, dann kann ich  mich brausen gehen.

Wem geht es um was?
Dem geht es um seine eigene Verletzlichkeit, der eine kann Geld verdienen, ein anderer hat das selbe Problem zu Hause, wieder ein anderer ist vielleicht wirklich entsetzt (was weiß ich, ob es denn so was auch gibt) und so weiter und so fort.
Gut. Ich habe es registriert und glaube nicht, dass jemand mir helfen will von diesen Granden. Jeder hat seine eigenen Interessen.
Und ich habe meine. Nur welche sind das?

Welche Wahl habe ich?
Der Weg ist zu gehen. Es wäre schlimmer ich tue nichts gegen das Testament und lasse mich noch jahrelang von dieser alten Frau schikanieren. Aus lauter Wut, dass sie zu seinen Lebzeiten nicht an sein Geld kommt.
Und sie immer wieder Dinge aus dem Haus trägt und ich dann diese wieder einfordern oder auch anzeigen muss. Das kostet mich mehr Nerven.
Und wenn der Vater dann verstirbt, dann kann ich auch noch einen Tötungsverdacht aussprechen. Das möchte ich nicht.

Da ist es vernünftiger ich mache Nägel mit Köpfen. Mit der Anfechtung des Testament wird der Streit offensiv und aggressiv ausgetragen (was mir sehr schwer fällt).
Aber es werden Klarheiten geschaffen (ich versuche mich davor zu drücken). Wie die Anfechtung ausgehen wird weiss man nicht. Sowohl, als auch ist möglich.


Ich habe die Sachwalterschaft im April angeregt und jetzt muss ich den Weg auch gehen.
Ich hoffe, ich schaffe es. Emotional, psychisch.
Ich habe Durchfall, verkrieche mich im Bett und frage mich wieso das Schicksal mir diese Aufgabe gestellt hat. Was ich daraus lernen soll.

*

Vielleicht dass ich mich nicht voll fressen soll, dass ich mich stelle, ohne Wenn und Aber zu denken beginne, Ängstlichkeit vorbeiziehen lasse, ich muss mich nicht beweisen, die Prioritäten setzen und bei diesen bleiben, mit der Energie bei mir bleiben, ...

Es kann nichts passieren.







 
 

Mittwoch, 28. November 2012

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte


Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich mir erlauben, mehr Fehler zu machen. Ich würde mich entspannen, ich würde die Dinge lockerer angehen.
Ich würde alberner sein als bei dieser Reise. Ich würde weniger Dinge ernst nehmen. Ich würde mehr Chancen ergreifen. Ich würde mehr Berge besteigen, öfter in Flüssen schwimmen und mehr Sonnenuntergänge anschauen. Ich würde mehr Eis und weniger Spinat essen. Vielleicht hätte ich dann mehr wirkliche Probleme, aber dafür weniger eingebildete.

Weißt du, ich bin jemand, die vernünftig lebt, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Oh ja, auch ich hatte meine Momente und wenn ich noch einmal von Vorne anfangen könnte, würde ich dafür sorgen, dass ich mehr davon hätte. Genau genommen, würde ich versuchen, nichts anderes zu haben. Einfach nur Augenblicke, einen nach dem anderen, anstatt ein Leben lang immer auf die Zukunft zu warten.

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich im Frühling früher anfangen, barfuß zu gehen, und im Herbst würde ich später damit aufhören. Ich würde öfter tanzen gehen. Ich würde öfter Karussell fahren. Ich würde mehr Gänseblümchen pflücken. wenn du dich andauernd nur schindest, vergißt du sehr bald, dass es so wunderbare Dinge gibt wie zum Beispiel einen Bach, der Geschichten erzählt und Vögel, die singen.


Nadine Stair
85 Jahre

Ich habe letzten Winter ein Achtsamkeitsseminar gemacht und da haben wir diesen Text bekommen.





Montag, 26. November 2012

Das gibt's doch nicht

Heute war ein Frusttag, am liebsten wäre ich in der Früh wieder nach Hause gefahren und hätte mir die Bettdecke über den Kopf gezogen. Irgendwie habe ich gestern und heute meine Distanz nicht ganz zusammenbekommen.
Ich kämpfe mit schwitzanfällen, Schnappatmung, Verspannung im Gaumenbereich und innerer Unruhe. Depressive Gedanken tauchen auf (alles ist sinnlos).
Ich spiele mit dem Gedanken die Sachwalterschaft abzugeben.

Ich war am Wochenende voller Euphorie und habe mir zum ersten Mal erlaubt zu träumen. Ich dachte, dass ich die eingenistete Frau loswerde, indem ich sie zum Testamenverzicht auffordere und ihr betrügerische Absichten nachweise (was kein Problem wäre, da sie sich schon einiges geleistet hat).
Dann habe ich mich getraut, dass Haus (Küche und Bad ) in meiner Phantasie so zu gestalten, dass ich selbst einziehen könnte. Adaptieren für den Vater, aber schon so , dass ich einmal einziehen kann und nicht mehr viel tun muss. Das war irgendwie auf einmal so eine schöne Vorstellung. Fortuna sei mir hold.
Die Mieter im ersten Stock müssen umziehen. Die 24 Stunden Pflege wäre im Obergeschoß untergebracht worden (sehr kleines Haus). Und alles wäre gut. Die Frau kann noch weiterhin neben ihm schlafen, das geht mich nichts an. Ich habe für Pflege und Betreuung gesorgt. In der Hoffnung dass nun alles leichter wird und mir die Last, wie Melly sagt, zum Großteil von den Schultern genommen wird.
Aber wie es immer so ist, es kommt alles ganz anders. Die Mieter haben einen unbefristeten Mietvertrag und wollen nicht ausziehen. Also erster Stock ade. Ich habe vom Richter und dem Anwalt, den Auftrag bekommen, den Kostenvoranschlag für das EG zu besorgen (wieder Gespräche mit der Architektin und dem Baumeister). Nur da ist alles zu klein. Der Anwalt hat gesagt, der Richter entscheidet dann ob das EG überhaupt umgebaut wird (24 Stunden Pflege nicht mehr möglich).
Ausserdem ist sein einziges warmes Zimmer, wo er den ganzen Tag sich aufhält ein Schwarzbau und muss demnächst abgerissen werden, weil der Nachbar bauen will. Keine Nachwidmung möglich!
Die Frau kann ich nicht loswerden, da das Testament so blöd geschrieben ist. Ich war dermassen frustriert, dass ich essen gehen musste und aus dem Büro verschwinden wollte. Das verarbeiten was mir der Anwalt heute mitgeteilt hat. Süßes kaufte ich leider auch. Schiet.

Mir reichte es heute irgendwie. Die sollen doch tun und lassen was sie wollen.
Aber ich bin seine Sachwalterin und habe seine Interessen zu vertreten. Da habe ich mich auf was eingelassen.
Der soll ins Heim gehen, da hat er sich vor 10 Jahren schlieslich schon angemeldet. Und was die Frau und er miteinander tun geht mich nichts an. Ich lehne mich zurück.
Wenn sie ein Bad wollen sollen sie es bekommen. Alles nur kosmetisch.
Sein Brunnen versiegt, dann haben halt er und die Mieter kein sauberes Wasser mehr. Kann man ja richten, dauert nur zwei Monate, da man sich am Gemeindebrunnen anschliesen muss. Ich weiss mitlerweile wie der Zustand dieser Hütte ist.
 Die wollen sowieso am jetzigen Zustand festhalten. Dann müssen sie es auch tragen. Denn bei diesen Umbauarbeiten kann man nicht wohnen bleiben (u.a. Bleileitungen!). Ich habe informiert.
Dann geht er halt ins Heim und die Mieter haben Pech gehabt.Sie wissen um den Zustand des Hauses und können nur mehr die Hälfte ihrer Wohnung benutzen. Liegt in deren Verantwortung wenn sie bleiben wollen.
Irgendwo reicht meine Zuständigkeit. Ich bin doch nicht für alles und jeden da verantwortlich. Ich wollte das für alle richten, nur das geht nicht. Die Leute spielen nicht mit.
Das ist eine Realität und zu akzeptieren. Rüchzug auf das Wesentliche.

*

Und jetzt noch was anderes. Vom "Tatort Münster" war ich gestern so entäuscht. Es war kein wirklicher Witz dabei und die  beiden Kommisare haben wenig Inteligenz vermittelt. Den fall habe ich mehr als lahm empfunden. Wirklich schade. Da ich sonst so gut bei den beiden Kommisarin abschalten und lachen kann.

Und sonst soll ich abnehmen und mich mehr bewegen. Jeden Tag in der früh nehme ich es mir vor. Jeden Tag esse ich zuviel Kohlehydrate und werde stig schwerer. Seufz.
Aber wie heisst es auch so schön: "Alles wird gut". Das Leben in die Hand nehmen, da kommt man nicht aus.

Liebe Grüße an euch alle.

Sonntag, 25. November 2012

Morgen wieder Montag

"Alle leben mindestens drei Leben, ein tatsächliches, ein eingebildetes und ein nicht    wahrgenommenes."

Thomas Bernhard

Vielleicht sollte man sein Leben und die Erlebnisse unter diesen Gesichtspunkt betrachten.

*

Ich habe mich entschieden, das mein Vater zu Hause gepflegt wird.
Er war mir nie ein Vater, aber ich nehme die Herausforderung an. Ich sehe es als Geschenk, dass ich mich mit einem Teil meiner Vergangenheit aussöhnen kann.
Die Bedingungen jetzt sind anders als früher. Ich bin ein eigenständiger Mensch, der selbst seine Entscheidungen trifft. Es bestehen keine Abhängigkeiten. Die Macht über mich, mein Leben, meine Entscheidungen habe ich in der Hand. Mein Leben gestalte ich mir selbst.
Ich bin nicht korumpierbar.

Ich habe es verabsäumt, dass ich die Mieter im ersten Stock frühzeitig kündige. Den Platzt brauche ich für die 24 Stunden Pflege.
Ich habe mich in vielen anderen Arbeiten verfangen und habe einen großen Bogen um diese Entscheidung gemacht.
Man will ja auch den Mietern nicht wehtun, die Gute sein, usw.
Schmonzes.

Diese Woche bekommen sie von mir den Brief mit der Aufkündigung des Mietvertrages wegen Eigenbedarf. Ich werde noch angerufen, wieviel Zeit ich ihnen einräumen muss. Wenn sie Ende des Jahres ausziehen würden wäre das ideal.

*

Heute gibt es im Fernsehen den neuen Axel Prahl und Jan Josef Liefers Tatort". Ich freu mich schon drauf.

Jetzt muss ich noch einen Brief für das Gericht schreiben, denn ich habe mich bei meiner Rechnungsslegung bei einem Punkt total vertan. Voll peinlich. Da werde ich morgen um 8 Uhr bei Gericht sein und die Korrektur bei der Sekretärin abgeben.
Dann muss ich noch zwei Briefe bei der Post aufgeben und anschliesend düse ich in die Arbeit.
Langsam Autofahren, nicht dass mir noch was passiert.
Alles mit der Ruhe, es läuft nichts davon, was nicht davon laufen soll.




 



Samstag, 24. November 2012

Erinnerungen

Heute Vormittag habe ich meine Einkäufe erledigt, sodass die Woche in Ruhe kommen kann. Ich habe einiges an Gemüse im Kühlschrank und werde mich für's Büro gut bekochen. 
Spinat gibt es, Kürbis, Gurke und Tomate, Wurzelgemüse und Kartoffeln und frischen Ziegenkäse.
Unser Bauer hatte noch einen Rehbraten und ich konnte nicht widerstehen ihn zu kaufen. Den Braten gibt es dann morgen mit dem Wurzelgemüse. 
Der Geschmack erinnert mich immer an meine Kindheit. Da die Männer, eh klar, wer sonst, in meiner Familie alle Jäger waren, gab es naturgemäß einiges an Wild zu essen. Dann gab es noch einige Wirtshäuser wo es tolles Rehraugout gab. Der Geschmack ist einfach unvergleichlich, und ich bekommen ihn auch so hin. 
Diese Bauernwirtshäuser waren ein Hammer. Große Gaststuben mit langen Tischen und langen Bänken, Holzböden, die einmal die Woche von den Frauen mit Seifenlauge geschrubbt wurden!!!!! Das gibt es heute nicht mehr. Diese Stimmung, der Geruch und die Bilder dazu sind so lebendig in mir. 
Und die alten Wirtsfrauen. Alle mit langen Haaren, die sie aufgetürmt und mit Haarnadeln befestigt hatten. Es waren schöne Frauen, stolze Frauen, die wussten, dass sie gut kochen konnten. 
Es sind schöne Erinnerungen.


Freitag, 23. November 2012

Einiges ist los

Jetzt ist wieder soviel Zeit zwischen dem letzten Blog und heute vergangen. Aber ....
ich hatte meine Arbeit und war dann mit meiner Sachwalterschaftstätigkeit beschäftigt  Und dann wollte ich mich nicht mehr mit dem auseinandersetzen was alles so los war und bin lieber gleich gar nicht in die Blogwelt eingestiegen.
Und die Erlebnisse der letzten Tage wollte ich hinausschieben.

Die letzten beiden Wochen habe ich auf meinen Rechnungslegungstermin am Dienstag, 20.11.12 vor Gericht hingefiebert. Eigentlich eine Arbeit, die ich großteils schon erledigt hatte, aber dennoch hat mich das Formale noch stundenlang beschäftigt.
Und was mich wirklich beschäftigt hat, ist die Generalsanierung des Wohnhauses des Vaters. Um das ging es für mich bei dem Termin am Gericht. Um Baupläne und Kostenvoranschläge und ob das Gericht diesen Umbau bewilligen würde.
Dazu kam der innere Konflikt, soll ich hinziehen, muss ich hinziehen, geht es nicht mit einer 24 Stunden Pflege allein auch.
Und dann bin ich also beim Richter und was tut dieser Sack. Er gibt mir gleich einige Aufgaben mit. Und ich muss dass tun, was ich seit Monaten hinausschiebe! Ich muss mich um die sofortige Umsetzung der 24 Stunden Pflege bemühen, und ich habe das Testament meines Vaters in seinem Namen anzufechten und das rasch und sofort! Oh Göttin, mit was habe ich das verdient. 
Termin vereinbart mit Rechtsanwalt für den nächsten Tag, also Mittwoch um 17 Uhr. Dann bin ich nach Hause gefahren und habe mir die Decke über den Kopf gezogen und war unrund, nichts hat mir gepasst. 
Ich habe mir gedacht, mit allem möglichen anderen wie Versicherungen, Handy, und vieles andere Kleingraffl mehr, habe ich mich beschäftigt und um das wesentliche, nämlich um das Testament und die 24 Stundenpflege nicht. Da habe ich einen Bogen drumherum gemacht.

Also, ich war gestern beim Anwalt. Ein großer, schlacksiger Mann, so um die 55 Jahre, mit schwarzer Jeans und Nadelstreifsakko und grauem T-Shirt und langen, spitz zulaufenden Schuhen. Eine randlose Brille trägt er, hat einen festen Händedruck, blondes schütteres Haar, schmale Lippen und kein Lächeln kommt ihm aus. Ich werde in ein ultra modernes Büro gebeten indem sich am Boden und am Schreibtisch die Akten stapeln. Irgendwie war ich leicht eingeschüchtert.

Er hat mir dann klar gesagt, dass er durch den .... von der Situation weiß und ich so schnell einen Termin bei ihm bekommen habe da der ... ihm von der Situation erzählt und gemeint hat, es sei dringend. Und  er habe schon mit dem Gutachter der SW Bestellung gesprochen, und dieser sagte, dass mein Vater zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung sicherlich auch schon nicht mehr testierfähig war. 
Dann erzählt er mir, dass er meinen Vater seit ca. 30 Jahren kennt, da ihn die Kanzlei immer wieder vor Gericht oder in anderen Rechtssachen vertreten hat. 

Wir waren uns einig, das jeder Mensch mit seinem Hab und Gut das machen kann was er möchte. 
Im Fall meines Vaters entspricht es aber nicht seinem Interesse, dass er sein Habe verschenkt. Im Vollbesitz seiner Kräfte hat mein Vater noch nie jemandem etwas geschenkt. Und da ich die Interessen meines Klienten jetzt vertrete, habe ich darauf zu achten, dass er sein Vermögen nicht verliert.
Ich darf nicht als Tochter denken sondern als Sachwalterin, die die Interessen ihres Klienten zu schützen hat. 
Zuerst wird er die Frau auffordern, das Legat binnen 14 Tage zurückzugeben. Es wird sich zeigen ob sie die Chuzpe hat, dagegen vorzugehen.
Es war auf einmal so klar, dass die Frau keine Chance mehr hat. Sie muss froh sein, wenn sie keine Strafanzeige wegen betrügerischer Absichten bekommen wird. 

Ich möchte diesen Anwalt nicht als gegnerischen Anwalt haben. Da würde ich mich zu fürchten beginnen.

*

Heute Abend habe ich ein Gewehr zurückbekommen. Zwei andere sollten in ein anderes Bundesland verkauft worden sein. Ich bekomme von dem Büchsenmacher nächste Woche die Registrierung. Mal sehen, wann sie verkauft worden sind. 
Mein Vater war erstaunt, dass in seiner Waffensammlung überhaupt etwas fehlt. 

Es war eine komische Situation wie ich mit der Waffe in der Hand zum Safe ging. Es war das erste Mal für mich, überhaupt so ein Ding in der Hand gehalten zu haben. Als Kind durfte man diese Teile nicht anfassen, obwohl sie damals noch an den Wänden hängen durften und als Jugendliche habe ich Waffen abgelehnt und dann bin ich vor knapp 30 Jahren ausgezogen.

Ich bin bisher nicht in eine Depression gefallen. Die Nächte sind zwar oft anstrengend, da ich schwitze und träume und das Unterbewusstsein sich rührt.
Ich fühle mich mit dem Anwalt erleichtert. Es gibt eine Lösung und der geht es mit mir an. Ich bin aber dadurch auch gezwungen mich mitten hinein ins Geschehen begeben, Gesicht zu zeigen und Streit nicht aus dem Weg zu gehen.

Während ich das schreibe stehe ich immer wieder auf und räume die Küche auf und das Gwand weg. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Ich achte auf mich.

Und jetzt ist es viertel nach zwölf und ich werde mich in die Horizontale begeben.

Liebe Grüße,
ganga