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Sonntag, 25. November 2012

Morgen wieder Montag

"Alle leben mindestens drei Leben, ein tatsächliches, ein eingebildetes und ein nicht    wahrgenommenes."

Thomas Bernhard

Vielleicht sollte man sein Leben und die Erlebnisse unter diesen Gesichtspunkt betrachten.

*

Ich habe mich entschieden, das mein Vater zu Hause gepflegt wird.
Er war mir nie ein Vater, aber ich nehme die Herausforderung an. Ich sehe es als Geschenk, dass ich mich mit einem Teil meiner Vergangenheit aussöhnen kann.
Die Bedingungen jetzt sind anders als früher. Ich bin ein eigenständiger Mensch, der selbst seine Entscheidungen trifft. Es bestehen keine Abhängigkeiten. Die Macht über mich, mein Leben, meine Entscheidungen habe ich in der Hand. Mein Leben gestalte ich mir selbst.
Ich bin nicht korumpierbar.

Ich habe es verabsäumt, dass ich die Mieter im ersten Stock frühzeitig kündige. Den Platzt brauche ich für die 24 Stunden Pflege.
Ich habe mich in vielen anderen Arbeiten verfangen und habe einen großen Bogen um diese Entscheidung gemacht.
Man will ja auch den Mietern nicht wehtun, die Gute sein, usw.
Schmonzes.

Diese Woche bekommen sie von mir den Brief mit der Aufkündigung des Mietvertrages wegen Eigenbedarf. Ich werde noch angerufen, wieviel Zeit ich ihnen einräumen muss. Wenn sie Ende des Jahres ausziehen würden wäre das ideal.

*

Heute gibt es im Fernsehen den neuen Axel Prahl und Jan Josef Liefers Tatort". Ich freu mich schon drauf.

Jetzt muss ich noch einen Brief für das Gericht schreiben, denn ich habe mich bei meiner Rechnungsslegung bei einem Punkt total vertan. Voll peinlich. Da werde ich morgen um 8 Uhr bei Gericht sein und die Korrektur bei der Sekretärin abgeben.
Dann muss ich noch zwei Briefe bei der Post aufgeben und anschliesend düse ich in die Arbeit.
Langsam Autofahren, nicht dass mir noch was passiert.
Alles mit der Ruhe, es läuft nichts davon, was nicht davon laufen soll.




 



Kommentare:

  1. Ich hab mal ein wenig bei dir gelesen, und ich werde so offen sein, als ob ich dich gut kennen würde - was nicht der fall ist- als verzeih mir, wenn ich falsch liege: einen pflegebedürftigen bei sich aufzunehmen, dazu gehört viel Geduld, und Liebe. Ich glaube nicht, dass ich es tun würde für meinen Vater, auch er war mir kein richtiger Vater (was wohl zwischen euch orgefallen ist, frag ich mich), denn ich könnte diese Last nur tragen, wenn ich den jenigen sehr lieben würde. Last ist evt nicht das richtige Wort, aber es betrifft dein ganzes Leben, dass du nun um diese Pflege herum aufbauen musst.
    Hast du es dir wirklich gut überlegt?

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  2. Liebe Melly,

    danke für deinen Kommentar. Ich möchte gerne etwas weiter ausholen, den ganz verstehe ich mich selbst manchmal nicht. Oder ich frage mich das gleiche wie du mich.
    Mein Vater war mir deswegen nie ein Vater, weil er sich nicht um mich gekümmert hat. Er hat mich u.a. als Jugendliche in einem Wohnwagen ohne Wasser und Toilette untergebracht und mich nicht in sein Haus gelassen. Die Nachbarn haben mich versorgt und ich hatte Lehrerinnen die sich um mich kümmerten. Mit 16 bin ich weggegangen. Ohne Geld nur mit meiner Kleidung am Leib.Ich wohnte in Abbruchhäusern und machte meine Schule fertig. Bezog auch Sozialhilfe. Unterhaltsforderungen an ihn waren nicht erfolgreich, da er sein Vermögen sehr schlau angelegt hat.
    Ich ging arbeiten, schaffte mein Leben und studierte Soziale Arbeit. Ich bin als Sozialarbeiterin seit ca.20 Jahren für obdachlose und wohnungslose Menschen zuständig. Auch bin ich seit 2000 ehrenamtliche Sachwalterin im Verin für Sachwalterschaft.
    Ich hatte einen sehr losen Kontakt zu meinem Vater, wir gingen einige Male im Jahr essen.
    Irgendwann wurde ich von anderen Menschen angerufen, dass er so verwirrt ist und sich nicht mehr auskennt. Gemerkt habe ich es wohl (er hat Alzheimer). 2011 ist eine Frau aufgetaucht die sich anbot ihm gegen Entgelt zu helfen. Im Mai 2012 wollte sie ihn heiraten. Er selbst meinte, er weiß nicht was er tun soll. Heiraten wollter er nicht, er konnte sich aber nicht mehr wehren. Ich habe nachgeforscht und entdeckt, dass sie von einer Psychiaterin ein super tolles Gutachten für das Heiratsaufgebot von ihm erstellen hat lassen, wo ihm volle geistige Kompetenz attestiert wurde. Genau das Gegenteil ist der Fall! Und da habe ich mich dann auf Drängen von meinen SW Kollegen und meinem Mann zur Anregung der Sachwalterschaft entschlossen. Und so bin ich hineingeraten. Weil ich mir gedacht habe, dass kann man dieser Frau nicht durchgehen lassen. Da muss man was tun.
    Du hast recht, dass sich wirklich viel um meinen Vater dreht. Es ist definitiv eine Last. Ich versuche immer wieder den Faden zu bekommen, dass es ein Job ist, für den ich auch eine Aufwandsentschädigung vom Gericht zugestanden bekomme. Es passieren aber immer wieder neue Überraschungen und gerade heute denke ich mir, der kann mich mal. Soll er sich doch seine Supe selber auslöffeln.
    Mich wird dein Kommentar noch länger beschäftigen.
    Danke das du mir geschrieben hast.

    Liebe Grüße, ganga

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  3. Jetzt muss ich noch was dazu schreiben. Psychisch war es die Hölle für mich. Ich mußte mich mit meiner Vater enttäuschung auseinandersetzen und dass ich jetzt für ihn soviel tue. Die Aufregungen die ich durchgestanden habe waren enorm. In manchen Wochen konnte ich kaum gehen vor Anspannung. Mir geht es mitlerweile besser. Distanz ist das Geheimnis und ich kann mich auf meine berufliche Sichtweise zurückziehen. Er ist ein Klient nicht mehr. Aber das Klappt nicht immer. Schiet.

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  4. ufff, da hast du dir sehr viel vorgenommen. Ich hoffe du hast die kraft dazu. Mein Papa war ein lieber, und auch so würde es mir sehr schwer fallen, denn es ist sehr aufopfern und gedankt bekommt man es nie. wenn er alzheimer hat - dein papa - sowie so nicht.
    ich hab eher das gefühl, dass du mit dir selbst noch genug zu - wie soll ich sagen ?!- zu tun hast, als das du es schaffst genug abstand zu schaffen, damit es dich nicht belastet.
    Sag, kann es sein, dass du dir selbst beweisen möchtest, dass du für ihn da sein kansst, auch wenn er nie für dich da war?
    sorry, wenn ich dir zu nahe trete, ich kann mich da irren :) sei mir nicht böss.

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  5. Das ist möglich, dass ich kompetenz zeigen will und das ich mich kümmern kann. Das ich stark bin. Das ich auf die Gerechtigkeit schaue, ihn schützen will vor soviel Abzocke.
    Ich habe den befund, dass mein Vater zum Zeitpunkt der testamentserrichtung nicht mehr testierfähig war. Der typ schenkt nämlich nichts her was ihm gehört.
    Und ich habe ein Dejavue Erlebnis (weis nicht wie man es richtig schreibt). Das ich über den Tisch gezogen werde. Ich bin früher leer ausgegangen und werde jetzt auch leer ausgehen und dass von einer fremden Frau. Nicht nur mein Vater wird abgezockt sondern ich auch.

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  6. das dir die abzocke ungerecht vorkommt und du dagegen angehst, kann ich gut verstehen, aber das du ihn bei dir aufnehmen willst, glaub ich wir zuviel für dich sein. ich hoffe ich irre mich.

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  7. Melly du hast recht. Ich habe nachgedacht und mir meine Grenzen vor Augen gehalten. Gerade diese Verantwortung, die ich übernommen habe, fordert mich, auf mein Leben zu achten.
    Nein, ich lasse ihn nicht auch noch zu mir herein. Abgrenzung und Distanz. Das ist mein Leben und das ist seines. Jeder trägt die Verantwortung für sich selbst. Auch ein gedächtnisloser Mensch.

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