Seiten

Samstag, 16. April 2016

Eine Geschichte vom Gewicht: s'Umfeld

Meint die Anna zum Hans, dass ihr die Sieglinde erzählt hat, dass sie mehr auf sich schauen möchte.
Aha. Dass mehr auf sich schauen, heißt, dass die Sieglinde meint, dass sie zu fett ist und weniger Gewicht auf die Waage bringen sollte. Das verstehe ich.
Ich kenne solche Aussagen von mir selbst und weiß, dass die so gesagt und gemeint nicht viel an Veränderungspotenzial in sich haben.
Wieso nicht? 
Weil dieses auf sich selbst schauen so etwas Sanftes und für sich wohlmeinendes in Anspruch nimmt. Ich bin gut zu mir. Und das beinhaltet keine Tränen, keinen Hunger, kein Schinden.
An das Durchhaltevermögen, wenn’s hart im Alltag wird, denkt man nicht.
Der Hans hat nichts darauf gesagt.
Er weiß, dass die Anna auch so ihre Schwierigkeiten mit dem Gewicht hat.

Setzt sich die Sieglinde zu uns an den Tisch und fragt die Anna, was es zum Essen gibt. Die Anna erzählt ihr von dem feinen Eispalatschinken. Wie sie merkt, dass sie der Sieglinde lange Zähne gemacht hat, legt sie noch ein breites Grinsen dazu.
Auf einer ovalen Vorlagenplatte liegen zwei dick mit Vanilleeis gefüllte Palatschinken. Weil es anscheinend nicht genug ist, sind geschätzte zehn Vanilleeiskugeln, eine Menge Ananasstücke, Marillenspalten, viel Schlagsahne mit Schokoladensauce neben und auf den dicken Palatschinken drapiert.
Und das stellt sie der Sieglinde vor ihre Nase.
Sie reicht ihr feierlich das Besteck. Judas.

Ich esse auch bei Anna. Und weil ich weiß, um was es noch geht, ist meine Frage nach dem Essen nicht allgemein.
Was für eine Suppe hast du heute? Frittaten, Gemüse, Spargel, Bärlauch, …  super, diese eine nehme ich. Eine kleine Portion bitte. Und einen Beilagensalat. Sie leert mir extra Kürbisöl über die Salatblätter, darüber sehe ich hinweg.



Kommentare:

  1. Liebe ganga, ich finde schon, dass liebevoll auf sich schauen und abnehmen zusammenpassen können. Jedenfalls gelingt mir das Abnehmen dann besonders gut, wenn ich gut zu mir bin und aus diesem Gut-sein zu mir nicht jeden Mist in mich reinstopfe.

    Leute wie Anna mag ich nicht - jedenfalls kann ich es nicht leiden, wenn jemand die Abnehmpläne so sabotiert. Meine Schwester pflegte immer zu sagen: "Ich sag Dir solange wie fett Du bist, bis Du freiwillig abnimmst!" Dann hatte ich abgenommen und dann hiess es: "Kuck mal, wie lecker das alles ist - iss!" Sowas nervt dann auch auf Dauer!

    Du scheinst es gut zu machen, ich hoffe, es hat geschmeckt :)

    Liebe Grüsse
    Clara

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Clara, ich habe überlegt, wie ich das Gut schauen auf mich in der Situation meinte.

    Dieser Satzteil "besser auf mich schauen" wird mittlerweile gerne verwendet, oft ist man sich der Bedeutung nicht bewußt und stellt keine Zusammenhänge her. Das man weniger essen sollte, dass man spazieren gehen sollte, dass man mehr Wasser trinken sollt,.... darauf ist dann dieses "besser auf mich schauen" eingegrenzt. Das es aber möglicherweise um tiefgreifende Lebensveränderungen geht, um das Entdecken des eigenen Selbst, soweit gehen die Medien die oberflächliche Weisheiten verbreiten nicht.
    Man stößt auf Unverständnis und sogar Abwehr, wenn man nachfragt, wie das "gut auf sich schauen" aussehen könnte.

    Ich musste Dinge hinterfragen, die für mich lange der Inbegriff von "Gut sein" und Wohl sein bedeutet haben. Einfach weill es sich im täglichen Kaloriengefüge nicht mehr ausgegangen ist. Und auf einmal waren diese Dinge nicht mehr wichtig. Und wenn's mir sehr schlecht geht, weil der Körper sein bisheriges Fett nicht hergeben mag und Hormone ausschüttet um mich zum Überessen zu motovieren, dann schalte ich mir die Sauna ein und schmorre in der Hitze.

    Das ich gerade deswegen, für mich Gutes tue und liebevoll mit mir bin, weiß ich, spüre ich.
    Und wenn ich nach dem Essen mit vollem Bauch auf dem Sofa liege ist es für mich mittlerweile das Gute, wenn ich nach einer Zeit aufstehe und mich Bewegen gehe und nicht mehr wohlig auf dem Sofa liege und beginne mich mit Schokolade vollzustopfen. Was auch sehr wohlig sein kann.
    So viel hat sich verändert.

    So Leute wie Anna und deine Schwester beobachte ich oft. Überall sind sie. Die Kolleginnen, die dann meinen, ach ein Stück Torte kannst du schon vertragen, die Nachbarin, die .....

    Was für ein Thema. Ich merke, dass da ein Redebedürfnis bei mir ist.

    Danke für deinen Kommentar
    herzliche Grüße
    Ganga

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich verstehe, was Du meinst. Es stimmt, dass die Leute da eine andere Definition haben, beim Abnehmen geht es aber sehr häufig eigentlich um die tieferen Muster und Glaubenssätze. Es ist gut, dass Du heute etwas anderes als "gut gehen" empfindest als früher. Bei mir ist das auch so, dass ich dann lieber eine Tasse Rotbuschtee trinke und die auch geniesse, als mir einen Kakao zu machen. Früher hätte ich auch gesagt "der Kakao, das Stück Schoki und das tut mir gut", aber im laufe der Jahre hab ich gemerkt, das tut mir nicht wirklich gut sondern bedient nur meine Programme im Hirn bis zu einem bestimmten Maß.

      Leute wie Anna und meine Schwester sind mir in dem Punkt zumindest oft zuwider. Dieses "das Stück Torte geht doch" höre ich auch - und das als Diabetikerin. Und wenn ich sage "Nee, ich hab Diabetes, geht nicht", dann kommt nur ein "Dann spritz doch runter" und ich könnte die dann ein bisschen schlagen, weil das sowas von verantwortungslos ist, einer übergewichtigen Diabetikerin auch noch zu sagen, sie soll nicht nur den Kuchen essen sondern auch noch ein Hormon dann spritzen (Insulin), was nachweislich bei der Entstehung von Übergewicht mit beteiligt ist - da frage ich mich oft, ob die so dumm sind oder einen umbringen wollen?

      Redebedarf - nur zu. Vielleicht muss es einfach mal raus :)

      Sei lieb gegrüsst und hab einen schönen Sonntag!

      Lieben Gruss
      Clara

      Löschen
    2. Hallo Clara, jetzt schau ich aber blöd, bin entsetzt. Jemandem mit Diabetes zum Kuchenessen zu "motivieren". Mit blöden Anmachsprüchen.
      Mit was für Menschen hat man es zu tun.
      Ich frage mich, wie man mit diesen Situationen umgehen soll. Fühlt sich das Miststück abgewertet? Wie nimmt man so einer Aussage den Wind aus den Segeln?
      Möglicherweise würde es dann auch heißen, sie ist ja selber schuld, wieso isst sie auch Kuchen.
      Kein Nachdenken, kein Interesse an dem Gegenüber.
      Das du dir die Frage stellst ob dumm oder umbringen wollen, verstehe ich.

      Liebe Grüße
      tut mir leid, dass ich erst so spät auf deinen Kommentar antworte,
      Ganga

      Löschen