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Sonntag, 3. Januar 2016

Mutterlos

Was den gewöhnlichen Alltag seit einigen Wochen aufmischte, ist der innere Krampf, der große Groll, den ich auf meine Mutter habe. Es ist eine offene Rechnung, die beglichen gehört.
Wieso jetzt?
Weil meine Mutter schon älter ist und ihre Kraft nachgelassen hat. Weil es irgendwann in kurzer oder längerer Zeit darum gehen wird, dass ich als einziges Kind Ansprechpartnerin für Krankenhaus, Arzt,…. werde und auch wenn sie mir das erspart, muss ich sie beerdigen. Klar kann ich sagen, wenn ich kontaktiert werde, dass geht mich nichts an und dann finden sich schon Menschen von der Gemeinde, die das übernehmen. Nur meine ich, dass ich mir damit keinen Gefallen tue.

Als ich vor einigen Wochen einmal auf dem Familiengrab mütterlicherseits war, habe ich gewusst, dass ich nicht unvorbereitet vor diesem elendiglich schwarzen Grabstein mit seiner schwarzen Erde stehen will und sie dann darin beerdige.

Ich merke stark, dass mich dieser jahrzehntelange intensive Groll auf die Mutter sehr geschwächt hat. Ich habe mich gedanklich und emotional seit Jahrzehnten ins Aus gestellt. Ich war ein Straßenkind, alleine, einsam und ohne Bindung und Boden. Geschwächt.

Auch wenn ich Gutes von meinem Opa und anderen Menschen erfahren habe, habe ich festgestellt, dass die stärkste Bindung die ich haben kann, die zu meiner Mutter ist. Die hat mich geboren und da ist die Urkraft zu Hause.

Ich habe vor ganz kurzer Zeit angefangen, den Kontakt mit der Mutter in die Hand zu nehmen. Man könnte auch sagen ich markiere mein Revier.
Der Boden dafür ist die Liebe zu mir selbst, denn ich will mich nicht weiter schwächen und als mutterloses Geschöpf durch die Welt gehen.
Dabei geht es um mein Selbstbewusstsein, dass ich zweifelsfrei sagen kann, ich bin die Tochter.
Als große Hilfe habe ich meinen Mann dabei, der eine Art Zwischenpolster ist.


Es sind große Worte. Dass es leicht wird hat niemand gesagt. Und blöd bin ich ja nicht, und naiv schon zuerst nicht.







Kommentare:

  1. Hallo du Liebe,
    ich glaube, damit hast du eine schwierige, aber gute Entscheidung getroffen. Ich hatte eine Arbeitskollegin mit (vermutlich) nicht ganz unähnlichen Erfahrungen; wenn wir über das Thema gesprochen haben, ging es oft darum, dass es nichts bringt, sich auch noch die Gegenwart und die Zukunft zu versauen, nur weil die Vergangenheit problematisch war. Klar kann man nicht einfach sagen, was war, ist vorbei und vergessen - aber vielleicht schaffst du es trotzdem, ihr FÜR DICH zu verzeihen. Ich kenne sie nicht und weiß auch nicht, was der genaue Grund dafür war, dass sie dir keine gute Mutter sein konnte, aber normalerweise hat es Gründe, die nichts mit dem Kind, also dir, zu tun haben, sondern nur mit dem innerlichen oder äußerlichen Unglück der Mutter... Schön, dass du einen Mann hast, der dich dabei unterstützt!!!
    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein wunderbares, gelungenes und gesundes Jahr 2016!
    Herzlichst, die Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/01/rund-um-den-jahreswechsel.html
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  2. Ich wünsche Dir viel Kraft und Erfolg! <3
    Was es heißt ohne Mutter aufzuwachsen, oder nur von ihr zu hören wenn sie das Leben schwer machen will - alternativ Geld, das weiß ich zu gut.... Aber bei uns gibt es kein Zurück mehr. Nicht in diesem Leben. Es war einfach ZU viel.

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