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Mittwoch, 5. November 2014

Eine Allerheiligengeschichte mal anders

Momentan ist täglich einiges los und deshalb komme ich erst heute dazu, die folgende Geschichte aufzuschreiben.
Von der Zeit her ist es einige Tage vor Allerheiligen.#

Am Friedhof ist es mir schon lange ein Dorn im Auge, dass ich mir am Grab eine riesige potthässliche Laterne und drei verdreckte weiße Engeln ansehen muss. Die Devotionalien waren im März auf einmal da. Gefragt hat mich niemand, auch wenn ich mir vorstellen kann, von wem die Teile kommen. Aber mei.
Bin ich also am Dienstag vor Allerheiligen auf den Friedhof gegangen, sehe ich, dass meine Blumen umgesetzt wurden und in der Mitte des Grab eine 50 mal 30 cm große Terracottaplatte liegt, auf der die fremde Lampe und auch meine steht.  Und weil ja Terracotta auch schön rot gebrannt sein kann, leuchtete dieses Teil ziemlich heraus aus den hellblauen Waldstiefmütterchen. Einige undefinierbare Zweige, mich hat es nach Buchs angesehen, lagen rund um den Grabstein.
Jedenfalls sah ich dann rot. Weinrot sozusagen.

Der Mann hat mich ja immer zurückgehalten, wenn ich die Grabdeko von der Fr. W. wegräumen wollte. Weil ich habe es schon immer als Frechheit und Provokation empfunden, dass da jemand ohne Fragen und Einverständnis der "Grabbesitzerin" (hört sich schlimm an, ist aber so) einfach Sachen drauflegt. Ich sag ja noch nichts, wenn jemand ein Grabkerzl dazustellt, das ist eine würdigende dezente Geste der Anerkennung. Aber so paßt die Sache einfach nicht.
Und ausserdem will ich, wenn schon Engeln, geputzte Engeln und nicht solche, denen man die Stehzeit massiv ansieht. Und ich putze die Fremdengeln nicht.

Aber ich komme wieder zurück zu den Skrupel die mein Mann verbreitet.
Also, so eine fremde Grabdeko sollte ich nicht wegräumen, den das tut man nicht. Da hatte ich dann bis jetzt wirklich Hemmungen und lies die Sachen dort stehen. Die katholische Angst- und Straferziehung schlug da voll durch. Ich ließ also die Fremdsachen bisher dort, damit ich mich nicht versündige und bestraft werden kann.

Aber an diesem Dienstag Nachmittag war alles anders. Mir stob die Wut aus den Ohren und den Nasenlöchern. Was war die rote Platte gegen mich. Aber, ich hatte noch immer Hemmungen!
Also bin ich vor mich hinschimpfend und Selbstgespräche führend nach Hause gefahren.
Den Mann habe ich angetroffen, ihm das Foto von der neuen Grabgestaltung gezeigt und ihn angesehen. Das genügte wohl und er meinte, dass ich es wegräumen sollte.
Eine Erleichterung erfasste mich, jetzt wird mich Gott wohl nicht strafen und auf Lebenszeit verfolgen für die Grabschändung die ich begehen werde.

Nach dem die Entscheidung gefallen war erholte ich mich noch zu Hause für die kommende Arbeit. Es war dann zwar schon finster, aber ich wollte die Angelegenheit noch am selben Tag regeln. Das hat keinen Aufschub mehr geduldet.
Ich ging festen Schrittes auf des Grab zu. Nahm den einen Engel (der war nicht unnett, aber ...) und dann das versiffte Engelweihwasserbecken und stopfte die große Laterne in den Müllsack dazu. Das erste war getan. Dann kam die dicke Terracottaplatte zum Herausheben dran. Mann, war dieses Teil schwer. Die Blumen habe ich wieder umgesetzt und dann war ich zufrieden. Ein abschliesender Blick, alles paßt wie es ist. Ich klemmte mir die schwere, nasse und erdige Platte unter den Arm und nahm den Müllsack in die andere Hand und auf ging es zur Müllentsorgung.

Am Freitag Abend habe ich dann noch das Gesteck für Allerheiligen hingebracht und gut war es.

Aber etwas Pikantes kommt noch. Sitze ich so im Wirtshaus, raunt mir die Wirtin zu, dass die Frau W. das Leiden persönlich ist. Ich habe ihr alles weggeworfen. Also sind nicht nur die Sachen verworfen sondern wohl ich auch.
Sie habe so Magenweh, durch diese, meine Aktion. Aber sie habe bereits Fotos gemacht von meiner Tat.
Eine der Frauen aus der Runde habe dann W. gefragt, wieso sie sich bei dem Grab überhaupt einmische.
Diese Frage sagt alles und bringt es auf den Punkt.

Und jetzt gehe ich schlafen und andere aktuelle Dinge verdauen. Es gibt sicher schöneres.



Kommentare:

  1. das hättest du dir nicht tagelang auf den magen schlagen lassen sollen. es ist wie es ist: einmischung in form von frechheit. wenn ich mir vorstelle, jemand dekoriert das grab meines vaters um........meine mutter hätte wohl dort sofort einen rumpelstilzchentanz aufgeführt und die schubkarre zum abtransport der unerwünschten sachen geholt.
    also, fein gemacht............und immer auf den bauch hören.
    grüße
    m.

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  2. Das hab ich wohl unklar geschrieben. Nicht mir hat es auf den Magen geschlagen, sondern der Frau W. und ich habe mir noch gedacht, was zieht die Alte für eine Show ab.

    Liebe Grüße

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