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Sonntag, 5. August 2012

Altes

Na heute habe ich aber einen Sonntag gehabt.

Die letzten 3,5 Jahre habe ich mit meinen Kolleginnen viel zu tun gehabt. Bei einer Kollegin von uns wurde 2008 festgestellt, dass sie Multiple Sklerose hat. Sie hat vorher ca. 15 Jahre gemeint, dass sie an Rheuma und Restleggs Legs leidet. Zu einem Rheumatologen ist sie wohl gegangen. Dafür hat sie sich einen gesucht, der ihr nach dem Mund geredet hat. Sie war darauf sehr stolz. Hat immer wieder erzählt, dass sie zu keinem anderen gehen würde, da diese nur blödes Zeug zu ihr sagen.

2008, nachdem sie kaum mehr gehen konnte, hat ihr Mann sie überredet, stationär im Krankenhaus abklären zu lassen, was los ist. MS kam heraus. Diese Diagnose tat sie als Verlegenheitsdiagnose ab. Die Ärzte wissen einfach nicht was sie hat und damit sie ihr eine Diagnose sagen können sind sie auf MS gekommen. Das hat sie in der Firma jedem gesagt, der in ihre Nähe  gekommen ist.

Im Jänner 2009 hat sie ein Ersatzkniegelenk bekommen. Sie war insgesamt 10 Tage im Krankenhaus. Nach diesen 10 Tagen ist sie wieder im Büro erschienen. Sie hat jedem erzählt, dass sie vom Arzt und der Krankenkasse sofort krank geschrieben werden würde, wenn sie möchte.

Und dann ist sie an ihrem Schreibtisch gesessen oder hat sich auf ihren 2 Krüken durch die Büros geschleppt. Die Kolleginnen haben angefangen sie von vorn bis hinten zu bedienen. "Was brauchst du, können wir dir helfen, können wir dir etwas bringen, dürfen wir dir einen Stuhl unter dein Bein stellen ...." Ich war fassungslos und tat bei diesen Manövern nicht mit.
Um die Wahrheit zu sagen, ich wollte sie zwingen, dass sie selbst sagt was sie braucht. Ich fand es eine Frechheit wie sie mit mir und anderen umging, wie ansprüchlich sie war, ohne dabei ein Wort zu sagen. Für die Hilfsdienste bedankte sie sich nicht, sondern erklärte, dass wenn jemand etwas für sie tut, dieser selber schuld sei.
Aktionen wie die folgenden waren an der Tagesordnung: Ihre Sesseln im Büro sind schon auseinander gefallen und es war durchaus gefährlich darauf Platz zu nehmen. Meine Kolleginneinnen nahmen aber darauf Platz. Und ich verstand es nicht. Ich fragte sie ob sie nicht einmal andere Stühle im Büro stehen haben möchte. Dazu meinte sie, dass eh nur wir darauf sitzen, ihrer ist gut. ich war dann so wütend auf sie, dass ich mir immer meinen eigenen Sessel mitgenommen habe, wenn wir im Team zusammengesssesen sind. Natürlich, ich hätte ihr anbieten können, dass ich unseren Hausmeister um neue Sesseln fragen könnte, aber ich wurde stur.
Ihre Sprüche brachten mich derart auf, dass ich mit der Zeit nur mehr rot sah und mich so über sie ärgerte und aufregte, dass es mir selber nicht mehr gut ging. Ich konnte meinen Ärger einfach nicht bezähmen.

Und  dann ging es los. Die Kolleginnen begannen, nicht mehr mit mir zu sprechen, schnitten mich, grüßten mich nicht mehr und im Team wurde ich zur Aussenseiterin. Die behinderte Kollegin war nur mehr beschissen zu mir. Sie war die Arme und ich die Böse und der Arsch.

Sie meinte eines Tages zu mir, in dem sie mit der Krüke auf mich zielte, dass sie mich erschiesen wird. Da erfasste mich auf einmal eine tiefe Angst und Panik. Ich entwickelte Angstzustände und flüchtete mich in eine Depression. Gehen wollte ich aber nicht, da war zuviel Aggression in mir.

Da ich die Ausgrenzung auf Dauer nicht aushielt begann ich mich anzubiedern. Gnädigerweise, und das meine ich ernst, durfte ich dann auch einige Dienste für sie erledigen.

Ende November 2011 stellten meine Kolleginnen allerdings die übermäßigen Hilfsleistungen aprupt ein. Und auf einmal begannen sie auch wieder mit mir zu sprechen. Da ich mich nicht wieder gegen die Gruppe stellen wollte, hüttete ich mich davor, ein Übermass an Dienst für sie zu erledigen. Ich merkte wie ich von den anderen beobachtet wurde, ob ich eh nicht zuviel tue.

Und ab da ging es aufwärts. Aber erst jetzt, ein dreiviertel Jahr später hat die behinderte Kollegin aufgehört gegen mich Stimmung zu machen.
Dienste wie Kaffe bringen, Wasser für die Tabletten holen, Unterlagen kopieren und faxen und interne Wege, erledige ich noch für sie. Aber ich muss keine Berichte mehr schreiben für sie usw. Wer das jetzt tut, will gar nicht wissen.

Und endlich habe ich es kapiert. Nämlich, dass es am Besten ist, bei so einen Menschen, der zu agieren anfängt, wenn man ihm Grenzen setzt, einfach zu tun was getan werden muss. Und alles andere ist egal. Was sie einem erzählt usw. Man erfüllt ihre Wünsche und damit hat sich die Angelegenheit. Keine Auseinandersetzung mit ihr. Sie nicht zwingen wollen, Verantwortung zu übernehmen.
Das ist wie bei den provessionellen Bettlern. Sie werdem immer lästiger, wenn man ihnen kein Geld gibt. Also gibt man ihnen Kohle, dass man seine Ruhe hat und seines Weges gehen kann.
Und das gleiche Prinzip funktioniert auch bei dieser Kollegin. Ich tue für sie und dafür geht sie mich auch nichts an. Ich gehöre jetzt auch zu den Guten, die für sie tun. Tue einfach was ansteht und damit hat sich die Sache. Höflich sein und basta.

Wieso war ich nicht in der Lage meine Aggression in den Griff zu bekommen: Meine Mutter war auch so. Jetzt habe ich es gesehen. Das Muster erkannt. Darum habe ich rot gesehen. Jetzt weiss ich, wie ich dem am Besten begegne. Mit Geschmeidigkeit und Kreativität.


Liebe Grüße
Ganga

Kommentare:

  1. Hm... einen anderen Menschen zu zwingen kann meiner Meinung nach nur zu Widerstand und Ärger führen.
    Verantwortung für sich selbst zu übernehmen ist - glaube ich - völlig ausreichend und schon schwer genug... aber das muss eine erst einmal lernen :O)
    Oona

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  2. Ja, das sehe ich auch so. Darum habe ich es auch hineingeschrieben.
    Ich trage die Verantwortung für das Desaster was ich erlebt habe. Aber ich konnte einfach nicht anders damit umgehen. Ich habe es einfach persönlich genommen und habe keine Distanz gefunden.Nur mehr gewertet.

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