Seiten

Montag, 12. Dezember 2016

Vom Sein, wer bin ich

Es gibt Menschen, die gehören einfach nirgends dazu. Auch wenn sie kommunikativ sind und sich gerne in Gesellschaft aufhalten, sind die unterschiedlichen Gruppen immer nur Stationen auf ihrer Reise durchs Leben.

Wo sich die Identifikation mit den Randgruppen entwickelt hat, hat sich auch herausgestellt, dass diese Menschen das Kind auch nicht aufnahmen. Du gehörst von deiner Sozialisation nicht zu uns.
Nur in die Sozialisation, in die das Kind hineingeboren wurde, von den Menschen wurde es auch nicht aufgenommen.
So war sie immer die Fremde.
Aber auch das ist eine Identifikation nirgend wo anders dazu zu gehören.
Da wo ich gehe bin ich.
Allerdings spricht so ein Mensch die Sprache fremder Sozialisationen nicht, was leicht zu Missverständnissen führen kann.
Ich habe einen Freund gefragt, was war da los in der Schule, wieso haben mich diese und jene Mitschüler nicht gemocht? Ganga, du hast ihren Standesdünkel nicht. Schau dir das Klassentreffen an, du sitzt bei denen die für dich normale Menschen sind. Du weißt, dass du von deiner Sozialisation zur anderen Gruppe gehören würdest und es macht dich traurig, dass sie mit dir nichts anfangen können, dich auch dafür verachten, dass du nicht verachtest.
Ganga, du weißt aber auch genau, dass du weder zur einen noch zur anderen Gruppe gehörst und die Leute spüren das auch. Weil du nicht wirklich greifbar bist, auch wenn du ganz dabei und sehr intensiv bist, bist du nicht wie sie.
Du gehörst weder zu den einen noch zu den anderen.

Überlege wo du dich niedergelassen hast. Da wo man sich kennt, aber wo es keine Gemeinschaft gibt.
Du hast doch lange gemeint, dabei sein zu wollen, dass darin dein Heil besteht. Es hat aber nicht funktioniert. Irgendwann hast du dich immer wieder verabschiedet. Es hat dich nicht mehr interessiert. Die Leute spüren das, wenn man nicht wirklich dazu gehört, da fehlt sozusagen der Stallgeruch.

Es geht einfach darum, dass du verstehst wie du bist. Wieso du manchmal andere Menschen nicht verstehst, wieso du unsicher bist, ob du jetzt zum Kollegen gehen sollst oder nicht. Ich kann nur sagen, wenn du unsicher wirst, dann willst du nicht, meinst aber zu müssen, so zwecks Aufrechterhaltung der Kommunikation oder was du dir sonst noch vorstellst. Vergiss dass in Zukunft.
So wie du weißt, wer du bist, kannst du auch deinen Standpunkt einnehmen.

Ich empfehle dir ein Buch von Ilija Trojanov, "Der Weltensammler". Der Mann, Richard Burton ist immer wieder in fremde Kulturen eingetaucht, immer in dem Wissen, dass er nicht dazu gehört. Er hatte dabei Menschen, die ihm die jeweiligen Kulturen erklärten. Sogar den Haddsch machte er mit. Wenn die Gläubigen entdeckt hätten wer er war, ....
Wichtig ist, er wahrte immer Distanz zu den Geschehnissen um sich. Er wusste immer wer er war.

Ein sehr opulentes Buch.



Foto: Ganga

Der Mann kann mit dem heutigen Post nichts anfangen. Er ist vielleicht kryptisch, aber mir ist es wichtig über das Nicht dazu gehören zu schreiben.



Kommentare:

  1. Ja, da kann man schon leicht ins Grübeln geraten. Manche Mechanismen der Gesellschaft sind schwer oder gar nicht zu durchschauen.
    Und irgendwie passen wir doch alle nicht wirklich zu den Gruppierungen aller Schattierungen, ;-)
    In diesem kryptischen Sinne liebe Grüsse,
    Brigitte

    AntwortenLöschen
  2. ...naja, Männer gehören ja auch irgendwie zu einer "speziellen Gruppe", gell?

    AntwortenLöschen
  3. ich hatte nur als kind das bedürfnis dazuzugehören.
    rechtzeitig wurden mir gruppen suspekt, gruppenverhalten fürchterlich.
    ich konnte immer von aussen beobachten, später, als das kind erwachsen war.
    heute mache ich um gruppen von vornherein einen großen bogen, wenn ich das gefühl habe, ich soll vereinnahmt werden.
    das ist auch anstrengend :-)

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Ganga, das Gefühl des "nicht dazu gehörens" kenne ich schon mein Leben lang. Irgendwann habe ich beschlossen, wenn ich nirgendwo dazu gehöre, dann kann ich mir ja sozusagen aus den verschiedenen "Welten" das Beste für mich mitnehmen und einfach mal hier und da Gast zu sein. Letztendlich gehört man doch zu sich selbst und nur das ist wichtig. Standesdünkel ist was furchtbares (in meinen Augen) und wer so denkt der ist nicht wirklich offen für Neues und nimmt sich selbst damit soviel weg. Ich glaube, das Kind in einem wünscht sich einen Platz, ein Zuhause und ein dazugehören, aber die Erwachsene braucht das nicht mehr sondern kann selbst entscheiden, wo sie gerade dabei sein möchte.

    Sei lieb gegrüsst,
    Clara

    AntwortenLöschen