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Dienstag, 2. August 2016

Ein Anruf


Komisch, kaum bin ich zu Hause und im üblichen Leben verankert, fällt mir nichts mehr ein, über das ich schreiben könnte. Nicht dass nichts sein würde, aber .... irgendwie Mattscheibe.
Um dem wirklich entgegen zu wirken, fange ich einfach an um des Schreibens Willen zu schreiben.

Ich bekam heute einen ziemlich entrischen Anruf von dem Ehemann einer ehemaligen Kollegin.
Seine Frau ist jetzt im Pflegeheim und er möchte versuchen, dass sie wieder nach Hause kommen kann. Im März sei dass während eines Krankenhausaufenthaltes so schnell gegangen und Schwupps ist sie ins Pflegeheim gekommen. Sie selbst konnte sich nicht artikulieren und er war auch nicht in der Lage, dass er eine Position einnimmt.
Im Laufe des Telefonats erzählt er, dass sie eine Magen- und Nierensonde bekommen hat und ihr ein Blasenkatheter gelegt worden ist. Der Hilfsdienst hat sich im März geweigert, die weitere Pflege zu übernehmen, so dass im Prinzip nur das Pflegeheim übrig geblieben ist.
Ja, ja, dass verstehe ich, dass so eine Situation hart ist, auch für den Angehörigen. Nur was ist der Grund, wieso er mich jetzt anruft.
Ja, weil er jemanden braucht, der ihm hilft. Seine Eltern haben das Erdgeschoß für ihn barrierefrei umgebaut. Er soll aus dem Haus des Bruders aus- und dort einziehen.
Ich kenne seine persönliche Geschichte und beschließe, dass ich mich nicht in alte Geschichten verflechten lasse.
Ich sage ihm, dass ich den Eindruck habe, dass es ihm nicht gut geht.
Er hat heute Geburtstag. Alles klar. Er fühlt sich einsam, alleine, vielleicht auch allein gelassen.
Ich bin sehr versucht, ihm das Angebot zu machen, dass ich in den nächsten Tagen zu ihm komme, wir uns die Unterlagen von Maria ansehen und um mir ein Bild von der tatsächlichen Lage zu machen.

Ich sage ihm, dass ich ihn in einer halben Stunde zurückrufe.

So leid er mir tut und auch mit Maria hatte ich sehr gute Zeiten und wir waren alle miteinander verbunden, ist für mich sichtbar, dass ich mir jetzt nicht wieder einen neuen Klotz ans Bein binde.
Gerade ich, die ich es gehasst habe, dass ich sie in der Arbeit betreuen musste. Und wie ich für meine Kritik gedisst wurde um dann, darum zu kämpfen, Abbitte leisten zu dürfen.

Ich rufe ihn zurück und sage ihm, dass er sich mit dem Hilfsdienst besprechen soll, ob sie sich jetzt wieder eine Pflege von Maria zu Hause vorstellen können. Denn ohne die Sicherstellung der Pflege kann sie nicht nach Hause kommen. Im Gespräch finde ich dann heraus, dass er über ihr Konto verfügen darf und dafür juristischen Beistand hat. Da kann er sich auch hinwenden, wenn es um Rechtsfragen geht.

Ich verabschiede mich von ihm und sage, dass ich Maria besuchen werde. Er meint, dass sei mir überlassen. Maria selbst hat mich vor meinem Urlaub angerufen und mich gebeten, dass ich sie besuche. Ich weiß nicht ob ich hingehen werde.

Ein ehemaliger Arbeitskollege und guter Bekannter, Willi, hat Maria vor Wochen im Heim besucht. Er war entsetzt und sagte einmal und nie wieder, da er ihren Verfall und die Anschuldigungen wieso es ihr schlecht geht nicht aushällt. Da er selbt schwer körperbehindert ist und auch bei ihm der Verfall fortschreitet hält er es um so weniger aus, dass „sie nichts tut, damit es ihr besser geht“. Sie läßt sich bedienen und hat kein Interesse daran ihre Selbständigkeit zu fördern. Ich sagte darauf nichts, denn das war doch schon immer so. An ihrer Lebenseinstellung hat sich nichts verändert.

Kommentare:

  1. fühlst du dich verpflichtet, dort hinzugehen? klingt nicht gut, und tut dir nicht gut.
    m.

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  2. Liebe ganga, ich finde es gut, dass Du Dich so gut abgrenzen kannst. Leider gibt es oft Menschen, die nichts dafür tun wollen, dass es ihnen besser geht. Traurig, aber man kann es nicht ändern.

    Liebe Grüsse
    Clara

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