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Donnerstag, 21. Mai 2015

Selbstliebe

Ich finde die Sache mit dem inneren Kind sehr interessant und spannend und bin überzeugt, dass es gelingen kann, für sich da zu sein. Der einzige Mensch, der immer für mich da ist, bin ich selbst.

Ich habe mich die letzten Jahrzehnte immer wieder gefragt, wie es dass geben kann, dass ich, so wie ich bin, aus diesem Familienverband stamme. Ich habe es mit lauter gestörten Menschen zu tun gehabt, die selbst verletzte Kinder waren, die keine Liebe und Wärme bekommen hatten und ihre Frustration an mich weitergegeben haben.
Von wo her also habe ich so diese tiefgreifende Liebe kennengelernt, das ich zu diesem Menschen werden konnte.
Lange Zeit ist mir immer nur mein Kindermädchen eingefallen, nur in den letzten Wochen ist mir klar geworden, dass die Liebe von ihr nicht diese Tiefe und Intensität gehabt haben kann.
Beim Gedanken an die Amme war bei mir immer nur Leere aufgekommen. Also die kann es definitiv nicht gewesen sein.

Man würde jetzt sagen, der Zufall ist mir zu Hilfe gekommen, aber es war kein Zufall. An Muttertag rief mich der Halbbruder an, sie würden gerne mit seiner Schwiegermutter Essen gehen, ob ich mitkommen möchte. Ja, ja, da gehe ich schon mit. Den grummelnden Mann, der sich ausgestoßen fühlt, habe ich zu Hause gelassen, denn ich wollte auf jeden Fall Stress vermeiden.
So weit so gut. Jetzt hatten wir aber noch kein Gasthaus dass für uns 5 einen Platz hat, so auf die schnelle. Ja dort können wir hingehen und da anrufen ob sie noch Platz hätten.
Und da die Verwandtschaft im tiefsten Innviertel wohnt, ich auch ich von dort herkomme, habe ich die gefühlte Chance ergriffen und mehrere Wirtshäuser im Innviertel vorgeschlagen, die ich noch von meiner Kindheit her kenne. Und es hat sich dass passende gefunden.

Also auf geht's in die tiefe Vergangenheit. NIE wieder wollte ich mich als die Tochter oder Enkelin von dem oder der outen. Über Jahrzehnte habe ich diese Gegend, diese Leute gemieden, wo ich als Kind oft war. Ich stelle aber jetzt eines fest: Die Zeit ist reif.
Ich gehe ganz offensive mit mir und meinem kleinen Kind um. Ich fühle mich und da gehört alles was mich betrifft dazu. Kein wegsehen, kein davonlaufen. Mich meiner Scham stellen.

Also sind wir zum Ebner Wirt gefahren und haben es uns gut gehen lassen.
Und weil ich etwas vorhabe, habe ich dann nach dem Essen auch tatsächlich die Wirtin gefragt, ob sie die Barbara ist. Und ich habe mich ihr wieder in Erinnerung gerufen. Es hat keine Minute gedauert, als die Altwirtin bei mir am Tisch war.
"Jo des Schön (Hausname) Dirndl. Mei hob i die scho long nimma g'sechn. Mei, mit'n Opa bist oiwei zu uns herkumma. Der hat die übereu mit hie gschleppt.

Und Bäng, Zero, voll ins Schwarze getroffen.
Was für eine Gnade ist mir zuteil geworden.

Es war die Liebe meines Opas. Er hat mir die unendliche tiefe Liebe geschenkt, die ich in mir trage.
Die Tage hernach waren für mich sehr intensiv. Durchgeschüttelt und gerüttelt hat es mich.
Meine Reise hat ihren Weg genommen.
Ich bin richtig, das weiß ich jetzt.

Leider ist er gestorben als ich 2 Jahre alt war und die Trauer und den Schmerz über den Verlust, den ich nacherleben durfte war heftig.





Kommentare:

  1. das liest sich wunderbar! das mit dem inneren kind und was drumrum ist, habe ich jahrelang versucht. ich bin nicht klargekommen. weiß alles theoretisch.
    deine geschichte ist sehr schön.
    ich werde gern mehr davon lesen.
    im gegensatz zu dir habe ich eine überlebende, die mir viel - vielleicht alles - sagen könnte, einfach nicht aufsuchen können. also NICHT KÖNNEN/wollen. zu groß die angst, dass sie "mit drin" steckt und mir die unerklärlichen schuldgefühle jener zeit verstärkt statt vertreibt.
    das leben wird es lösen. vielleicht lebt sie gar nicht mehr. jedenfalls habe ich oft, wenn ich in der alten heimat war, lange mit dem auto vor ihrem haus gestanden, länger als vor dem nachbarhaus, in dem wir wohnten.
    das unterbewußtsein will nichts rausgeben.
    liebe b. umso schöner finde ich deine geschichte
    viel mehr davon wünscht
    m.

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