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Samstag, 14. Januar 2017

Ganga im Schnee

Es ist jetzt kurz nach 14 Uhr, ich bin wieder zu Hause.
Um 11 Uhr bin ich mit dem Auto unterwegs. Während ich so über die Landstraße fahre, fällt mir auf, dass der Wind immer mehr weht und ich im Schneegestöber dahinfahre. Die Landstrasse wird rechts und links bereits zugeweht.
Komisch kommt es mir vor und ich überlege ob ich umkehren soll. Nein, nein, wird schon gehen. Und so biege ich in die kleine Straße über den Höhenrücken ab. Voll die Schneefahrbahn, was mich im Grunde nicht stört, aber irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl. Ich will umdrehen, nur da geht nichts mehr zum umdrehen. Also immer gerade aus, der Schnee weht, ich sehe wenig. Nur mehr eine weiße Wand. Manchmal fehlen Schneestempen und ich suche die Strasse. Hoffentlich bleibe ich auf der Strasse und lande nicht im Feld. Ich komme bis zum nächsten Bauernhof und da denke ich mir, nein, ich drehe hier um und fahre wieder zurück. Wenn ich bis hier hin gekommen bin, dann komme ich die Straße wohl auch wieder zurück.  
Nichts da, ich bleibe direkt am Höhenrücken im Schnee stecken. Der weiße Schneewind fegt über das Land und ich sehe keine zwei Meter weit mehr. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr nach vor und nicht mehr zurück komme. Nichts geht mehr.
Ich überlege mir, ob ich verzweifelt reagieren soll. Nein, ganz schlechtes Timing.
Denn ich kann nicht einfach den Arbö anrufen und sagen: "Bitte schleppt mich ab, zieht mich raus." Wenn ich selbst nicht was tue, dann kann ich in Kälte erstarren.
Irgendwann packe ich mich zusammen und beginne loszustapfen. Ich bin zwei Kilometer vom letzten Bauernhof entfernt. Vielleicht ist jemand zu Hause und kann mich mit dem Traktor rausziehen.
Ich rutsche immer wieder aus, falle hin, hoffentlich komme ich an.
Ich sehe fast nichts mehr, alles ist weiß vor meinen Augen. Hoffentlich bleibe ich auf der Straße.
Auf einmal taucht ein Traktor vor mir auf. Gehört habe ich ihn nicht, weil der Orkan heult und jedes andere Geräusch auslöscht.
Er hat mich gesehen, hat mitbekommen, dass ich aus dem Auto gestiegen bin.
Ich darf zu ihm hinaufklettern und wir fahren im Traktor zu meinem Auto hin. Dem Trakei macht es nichts, der fährt durch die Schneehölle, kommt dann vor meinem Auto zum Stehen. Das Seil wird
bei der Anhängevorrichtung eingeharkt. Ich darf ins Auto und der Traktor zieht mich aus dem vielen Schnee heraus bis zu Landstrasse vor.
Mein Dank ist unbeschreiblich.
Auch die Landstrasse ist stark zugeweht. Einige Kilometer weiter kommt ein Dorf und ich stelle mich auf den erst besten Parkplatz. Um durchzuatmen. Den Mann rufe ich an und will erzählen, was war. Ich beginne immer lauter zu reden, er kennt sich überhaupt nicht aus.
Ich fahre jetzt nach Hause und hoffe, dass ich dort auch ankomme.
Die Bundesstrasse ist zugeweht, aber wenigstens sind keine Schneehaufen auf der Strasse. Irgendwann bin ich dann zu Hause.
Fertig.

Leider habe ich keine Fotos gemacht. Dass wäre jetzt ein Highlight. Aber in der Situation habe ich nicht daran gedacht, obwohl ich die Kamera dabei hatte.

Jetzt setze ich mir Teewasser auf, zur Beruhigung um wieder zu mir zu kommen.


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Kommentare:

  1. Da hast du wirklich Glück im Unglück gehabt.
    Ich habe das Schicksal nicht herausgefordert
    und bin gleich zu Hausse geblieben.
    Ein angenehmes Wochenende wünscht
    Irmi

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  2. Hallo Irmi,
    ich habe die Situation vollkommen unterschätzt. Ich werde nie wieder bei so schlechten Straßenverhältnissen Auto fahren! Da ist es wirklich das Beste fein zu Hause zu bleiben. Ich bin froh überhaupt wieder so gut nach Hause gekommen zu sein, ein leichter Schock sitzt mir noch in den Gliedern.
    liebe Grüße
    Ganga

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  3. Oh Ganga,
    ich kann es fast nachvollziehen, gestern war es beim Fahren auch so schlimm...
    Manchmal sah man nichts, manchmal dann wieder die Stecken der Straßenbegrenzung (die sind ja extra dafür gesteckt worden)
    Ich bin auch immer froh, wenn ich dort angekommen bin, wo ich hinwollte.

    Oh Mann, da hast du echt Glück gehabt!
    Liebe Grüße
    aus Klein-Sibirien

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  4. Ich bin so froh, dass es noch glimpflich ausgegangen ist und ich wieder gut nach Hause gekommen bin. So etwas ist mir auch noch nie passiert.
    Und wird es hoffentlich nicht mehr.
    Liebe Grüße
    Ganga

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  5. einmal war ich auf der autobahn im schneetreiben unterwegs, berlin hamburg, nichts, gar nichts ausser weiße wand in dunkelheit gegen scheinwerfer! 40 km/h höchstgeschwindigkeit und doch von der fahrbahn abgekommen, aber es konnte weiter gehen. ich habe die dankbarsten momente meines leben gehabt, zu hause angekommen zu sein. insofern: ich fühle was du fühlst.
    m.

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    1. Mein Respekt vor der Natur ist weiter ein großes Stück gewachsen. Es beruhigt mich, deine Geschichte zu lesen, relativiert mein Erlebnis und ich bekomme Abstand zu meinem Vorfall. Mir sitzt der Schreck noch immer in den Gliedern.
      Liebe Grüße
      Ganga

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  6. Herrje, solche Wetterverhältnisse kenne ich hier überhaupt nicht, von daher habe ich jetzt beim lesen fast die Luft angehalten. Wie gut, dass der Traktor da war und Dich sozusagen "gerettet" hat. Ja, lass es Dir gut gehen und erhole Dich von dem Schreck!

    Liebe Grüsse
    Clara

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  7. Es ist jetzt 21 Uhr und ich spüre wie sich der Schock auflöst. Ich sehe die weiße Sturmwand vor mir und wie ich die Straße entlang wanke. Der Sturm reißt mir die Kapuze vom Kopf und die Druckknöpfe vom Anorak auf.
    Und ich stolpere über Schneehaufen und lande mit dem Gesicht im Schnee. Ich habe mir gedacht, ich komme nicht mehr an.
    So etwas habe ich auch noch nie erlebt.
    Liebe Grüße
    Ganga

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  8. Das hört sich sehr, sehr dramatisch an und war es wohl auch.
    Was für ein Glück, dass Schutzengel auch männlich sein können und auf Traktoren fahren.
    Ich bin froh, dass du das alles heil überstanden hast, liebe Ganga!
    Und jetzt erhole dich gut von diesem Schreck!
    Mit lieben Grüssen in den Sonntag,
    Brigitte

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