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Samstag, 27. Mai 2017

Liebesdinge im Dorf

Eine Bekannte von mir musste am Montag ihren Hund einschläfern lassen. Die Tierärztin ist zu ihnen nach Hause gekommen und hat Hypo im Garten auf der Wiese die beiden Spritzen gegeben. Zum Glück gibt es bei uns mittlerweile die Möglichkeit das Haustier in einem Tierkrematorium verbrennen zu lassen.
Um Anke beizustehen, bin ich am Donnerstag bei ihr auf Besuch gewesen.
Sie fragte mich, ob sie mir was erzählen darf, was sie sehr belastet.

In den letzten Tagen hatte sie immer wieder Besuch von den Familienmitgliedern ihres Mannes. Alle waren ganz lieb zu ihnen.
Am Mittwoch kommt die Lebensgefährtin des Schwagers zu ihr und bricht dann bei ihr in der Küche zusammen. Liegt am Boden, ringt nach Luft, und wird von Heulkrämpfen geschüttelt.
Tanja hat die Anke mal vom Boden aufgeklaubt und sie auf's Sofa gesetzt.

In meiner Kneippe war für einige Wochen eine slowenische Aushilfskraft, die letzten Freitag wieder nach Hause gefahren ist. Mirella war schon letztes Jahr zwei Mal da und über Weihnachten und Neujahr bis in den Jänner hinein auch.
Privat hat sie Anschluß gesucht, auch bei mir. Aber, obwohl ich ein kommunikativer Mensch bin und auch einen Stammtisch locker alleine unterhalte, lasse ich nicht leicht jemanden an mich heran. Mirella  ist mir körperlich viel zu nahe gekommen, denn ich mag es nicht, wenn ich eine Frau die ich nicht kenne, nur mehr 10 Zentimeter von meiner Nase entfernt habe. Auch interessieren mich keine fremden Familienfotos. Zu schnell, zu viel Freundschaft.
Ich habe bei ihren letzten Aufenthalten mitbekommen, dass sie sich mit anderen Gästen gut unterhalten hat. Am Abend hat sich eine kleine Frauenrunde aus Irina, Anke und Mirella gebildet. Die Männer der anderen beiden Frauen sind im Laufe des Abends auch mal dazu gekommen.  
Sie waren miteinander auf einem Brauereifest und What's App ist auch nicht zur Ruhe gekommen. .

Mir schickt keiner What's App Nachrichten, ich bin einfach sperriger.


Die Zeit die sie jetzt hier war, war anders. Sie ist bei mir am Tisch gesessen, hatte einen vernünftigen Abstand zu mir gehalten und wir hatten mit der ganzen Bande eine Menge Spaß.
Klar habe ich mitbekommen, dass sich einige Männer um sie bemüht haben, aber da habe ich mir nichts dabei gedacht. Und auch bei den jüngeren Exemplaren habe ich den Spaß gesehen.
Sie hat einen frischen Wind hereingebracht, auch bei mir. Und ich sag mal, so eine jüngere Frau ist halt einmal ein Magnet.
Ja, mir ist aufgefallen, dass dieses mal keine Drei-Mädels-Clique mehr zusammensitzt.

Zu Anfangs mochte ich sie ja dieses Mal auch noch nicht. Auch weil ich diesen Spruch von ihr nicht wollte "Ja, dann heirate mich".
Sie möchte unbedingt in Österreich bleiben. Was will sie dann von diesem und jenem habe ich zu Maria, der Wirtin, noch vor einigen Wochen gesagt, die sind ja verheiratet.

Und darum sitzt jetzt die Anke bei der Tanja auf dem Sofa und hört nicht mehr auf zum Weinen.

Dass Franz zu seiner Anke seit Monaten (oder Jahren, wer weiß es), garstig ist, merke ich. Er macht blöde Bemerkungen zu ihr, meint sie läuft ihm nach, soll sich doch alleine beschäftigen, wenn er aufsteht, muss sie mitgehen, er meint zu ihr, dass sie ihre Koffer packen kann, wenn sie anderer Meinung ist, ....
Franz ist Jäger und als Anke ihn kennengelernt hat, hat sie sich auch für die Jagd interessiert und legte sogar die Jagdprüfung ab. Dadurch ist sie viel mit ihm unterwegs. Im Prinzip ein kluger Schachzug, du schaffst gemeinsame Interessen.

Ja, ich habe im Winter auch gesehen, dass der Franz die Mirella angefasst hat und sie sich dabei ihm wohlig entgegen gerekelt hat, aber mei, dass heißt für mich nicht, dass er zu seiner Lebensgefährtin böse und abwertend sein muss.
Aufgefallen ist es mir, dass die Anke in wenigen Wochen stark abgenommen hat. Sie bekommt nichts mehr hinunter, erzählte sie der Tanja. 20 Kilo sind es bereits.
Letzte Woche, als sie einmal früher von der Arbeit nach Hause gekommen ist, sah sie das Auto vom Franz vor der Kneipe stehen. Sie bog auch ein, denn auf einen Kaffee kann man immer mal gehen. Betritt das Lokal, herrscht der Franz sie an, ob sie ihn kontrolliert. So erfuhr sie, dass er sich von Montag bis Freitag frei genommen hat und ab in der Früh im Wirtshaus gesessen ist. Zum Frühstücken war er dort, zu Mittag.
Mich erinnert es an die alten Sitten und Bräuche, früher hieß das "Kellnerin abpassen". Da hat es immer ein paar gegeben, die stundenlang darauf gewartet haben, dass die Kellnerin auf Zimmerstunde geht und sie mitnimmt. Getränke haben sie ihr bezahlt, aber gegangen ist meistens eh nichts.

Die Anke erzählt, dass der Franz in der Nacht mit dem Auto durchs Dorf fährt und nachsieht, ob bei der Mirella im Zimmer Licht brennt. Auch wenn sie, Anke im Auto sitzt, dreht er den Kopf und blickt zum Fenster hinauf.
Ich schüttle den Kopf. Haben wir hier noch einen Stalker.

Wer weiß, was zwischen diesen Menschen wirklich los ist. Ist es so, dass die Mirella und der Franz ein Pantscherl haben, oder wünscht er sich das nur.
Vielleicht sitzt sein Hirn gerade einige Etagen tiefer.
Mirella ist eine junge Frau, wer will da was sagen, wenn sich Liebhaber anbieten.

Ich habe auch die Vermutung, dass der Franz überhaupt ein wenig empathischer Mann ist.

Tanja meint, dass es für Anke gesundheitsschädlich ist, wenn sie länger beim Franz wohnen bleibt. Sie meint auch, dass Anke so nicht mit sich umgehen lassen soll. Sie kocht, putzt dem Kerl seine Wohnung, wäscht seine Wäsche und dann ist er so abwertend zu ihr. "Schau an, wie fett du geworden bist", "Ich bestimme, was wie gemacht wird", ....

Wenn sie knapp davor ist, dass sie geht, dann wird er wieder netter zu ihr.
Die Hoffnung stirbt erst zuletzt und wer weiß, welche unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse sie hat und in ihm sucht und er gibt es ihr nicht.
Das ist doch gerade das eigene Thema!?

Jedenfalls meinte sie zu Tanja, dass Mirella im Juli wieder kommt und sie sich den Juni und Juli mit Franz anschauen wird. Sie kann zu ihren Eltern gehen.

Ich habe die Theorie, dass auch der Franz von der Liebe (Liebeslieder hört er am liebsten!) träumt, aber sich diese nicht erfüllen kann. Er verhält sich wie sein verhasster Vater, der mit der Mutter schändlichst umgegangen ist bis diese nicht mehr konnte und sich im Stall aufgehängt hat. Wenn er sich seiner Geschichte und dem Schmerz stellen würde, könnte er sich möglicherweise seinen Wunsch nach der Liebe erfüllen und müßte nicht davon laufen. Leider gibt es da halt seine Freundinnen, die nicht verstehen was los ist.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass im Prinzip dieser Mann viel mehr leidet als die weggestoßenen Frauen.
Ich meine auch, dass es darum geht, dass Frau genug Selbstliebe braucht, einen solchen Typen hinter sich zu lassen. Das die Liebe zu sich selbst größer ist, als die Liebe zu einem anderen.
Auch wieder Entwicklungsarbeit.


Cartoon von Franziska Becker


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